Neues Volksblatt: "Verhandeln" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 5. November 2016

Linz (OTS) - Es gibt vielleicht viele Wege, die zum Ziel führen. Auch bei Verhandlungen. So pflegen etwa die KV-Verhandler bei den Metallern ihren Abschuss immer erst nach einer durchwachten Nacht zu erreichen, wahrscheinlich können sie so einfacher müde und zufrieden sein. Die EU setzt hingegen auf den Beichtstuhl, um verfahrene Verhandlungskarren wieder flott zu bekommen. Manche Strategien sind allerdings sicher nicht zielführend. Und genau auf solche setzt leider der rote Sozialminister. Da tut er einerseits monatelang gar nichts — wohl in der Hoffnung, das Problem werde sich, wie der Schnee im Frühjahr, selbst auflösen. Im Fall der Mindestsicherung ist es aber eher wie bei einer Schularbeit, mit dem Läuten ist Abgabetermin. Also zaubert Stöger 5 vor 12 einen Kompromiss aus dem Hut, der gleich mehrere faule Stellen hat, setzt auf 3 vor 12 ein Ultimatum und legt die Hände erneut in den Schoß. Wird sein Vorschlag nicht angenommen, gibt es halt keine Lösung. Und es ist unklar, will Stöger pokern, hat er kein Verhandlungstalent oder nimmt er das Scheitern bewusst in Kauf? Klar ist hingegen, dass ein Diktat beim Gegenüber nie gut ankommen wird und dass man jenen, die bereits Lösungen für sich beschlossen haben, nicht einfach seine Lösung aufzwingen kann. Und klar ist auch, dass der Minister dafür verantwortlich ist, wenn es eine einheitliche Lösung bei der Mindestsicherung geben soll — oder wenn es halt keine gibt.

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