Unternehmens-Chefs profitieren von Verdreifachung des Gewinns – und jammern über den Wirtschaftsstandort Österreich

Linz (OTS) - Nach den jüngsten Attacken der Industriellen Stefan Pierer und Georg Kapsch auf Österreich als Wirtschaftsstandort, die Beschäftigten und den Sozialstaat, legen nun die Bosse der Polytec-Gruppe in einem Interview nach: Österreich stehe bei der Wettbewerbsfähigkeit immer schlechter da. Dabei haben Friedrich und Markus Huemer mit ihrem Standort in Hörsching ihren Gewinn von 2014 auf 2015 mehr als verdreifacht. Von den 7,36 Millionen Euro Gewinn werden 5,9 Millionen an die Eigentümer ausgeschüttet. „Das ist ein Hohn für die Mitarbeiter, die diesen Erfolg erarbeitet haben“, ärgert sich
AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Österreichs Volkswirtschaft ist erfolgreich, auch wenn sich einige namhafte Industrielle seit dem Sager von Wirtschaftskammerpräsident Leitl, dass der Wirtschaftsstandort Österreich „abgesandelt“ sei, mit Weltuntergangs-Botschaften übertreffen. Insgesamt rangiert Österreich mit seiner Jahres-Wirtschaftsleistung im internationalen Vergleich laut OECD an siebter Stelle – das wollen aber offenbar einige Unternehmer nicht anerkennen. Die Polytec-Chefs Friedrich und Markus Huemer reden etwa in einem aktuellen Interview die Arbeit der vielen österreichischen Beschäftigten und Betriebe sowie die Sozialpartnerschaft und die gesamte Politik wegen angeblich sinkender Wettbewerbsfähigkeit schlecht.

Dabei zeigen alleine die veröffentlichten Jahresabschlüsse 2014 und 2015 der Polytec Car Styling Hörsching GmbH die Unsinnigkeit dieser Behauptung. Das Betriebsergebnis konnte 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 213 Prozent auf 10,16 Millionen Euro gesteigert werden – und das wohlbemerkt mit nur 0,8 Prozent mehr Beschäftigten. Das Ergebnis vor Steuern stieg 2015 um 237 Prozent auf rund 10 Millionen Euro an, der Jahresgewinn nach Steuern erhöhte sich von 2,22 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 7,36 Millionen Euro im Jahr 2015 – und hat sich somit mehr als verdreifacht.

Alleine im heurigen Jahr kaufte Friedrich Huemer mehrere Hotels in Österreich – ein Indiz dafür, dass der Industrielle von den Gewinnen seiner Firma wohl ganz gut finanziell leben kann. „Vor dem Hintergrund dieser Fakten darüber zu jammern, dass Österreichs Wettbewerbsfähigkeit abnehme, dass die Sozialpartner die Regierung blockieren würden und Österreich ein angeblich starres Arbeitszeitgesetz und extreme Bürokratisierung habe, ist mehr als nur unglaubwürdig. Für die bereits jetzt schon sehr flexiblen Beschäftigten, die die Firmengewinne erarbeiten, die sich die Bosse dann aber selbst ausschütten, ist das der blanke Hohn“, ärgert sich AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die Beschäftigten Polytec Car Styling Hörsching GmbH sind äußerst produktiv: Die ordentliche Pro-Kopf-Wertschöpfung je Beschäftigter/ Beschäftigtem pro Jahr erhöhte sich von 2014 auf 2015 um rund 46 Prozent auf 100.606 Euro. Im Vergleich dazu sind die Pro-Kopf-Personalaufwendungen 2015 nur um durchschnittlich 9,8 Prozent angestiegen. Damit hat 2015 jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer dem Unternehmen im Durchschnitt um rund 45.300 Euro mehr an Produktivität gebracht, als sie/er das Unternehmen gekostet hat. „Die fleißigen Beschäftigten haben mehr verdient, als sich die Schlechtrederei ihrer wohlhabenden Konzernbosse anzuhören“, so Kalliauer. Es sei außerdem vermessen, ausgerechnet jenes Land schlechtzureden, von dem das Unternehmen in den letzten Jahren von öffentlichen Wirtschaftsfördermitteln profitiert hat, wie allein der Förderungsbericht des Landes OÖ zeigt.

„Zu Österreichs Erfolgsfaktoren gehören unser robustes Sozialsystem und die sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit. Kollektivvertrag und Arbeitsrecht schützen alle vor unfairer Billigstkonkurrenz. Daher wirtschaften wir auch im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut. Verbesserungsbedarf haben wir aber bei den Arbeitsbedingungen und der Einkommensverteilung“, so Kalliauer abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Oberösterreich - Kommunikation
Ines Hafner, Bakk.Komm.
(0732) 6906-2178
ines.hafner@akooe.at
ooe.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKO0001