Drop-in statt Drop-out: AK fordert mehr Anstrengungen im Kampf gegen frühen Bildungsabbruch

Linz (OTS) - In Oberösterreich beenden jährlich rund 3.000 Jugendliche ihre Ausbildung ohne Abschluss. Sie schaffen oft den Einstieg ins Berufsleben nicht, haben ein höheres Risiko, arbeitslos und sozial ausgegrenzt zu werden. „Wenn wir es schaffen, diese jungen Menschen in eine Ausbildung, in einen Beruf, in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen eine Perspektive zu geben, dann lösen wir eines der größten Probleme unserer Zeit“, erklärt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Etwa ein Drittel der frühen Bildungsaussteiger/-innen beginnt nach Erfüllung der Schulpflicht keine weitere schulische Ausbildung oder Lehre. Diese besonders ausgrenzungsgefährdete Gruppe wieder in eine Ausbildung zu bringen bzw. ins Sozialgefüge zu integrieren, ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung. Viele außerschulische Institutionen des Jugendauffangnetzes mit ihren vielfältigen, flexiblen Angeboten und Projekten kümmern sich um diese Jugendlichen.

Aber auch die Schule ist gefordert: Aktuelle Daten der OECD belegen erneut, wie wichtig frühe Förderung für erfolgreiche Bildungskarrieren ist. „Förderung statt Selektion ist das Prinzip, das die Schule umsetzen muss, damit die Zahl jener Jugendlichen, die nach Erfüllung der Schulpflicht weder in eine weiterführende Schule noch in eine Lehre einsteigen, nachhaltig gesenkt werden kann“, erklärt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Wesentlich ist, dass gerade im Pflichtschulalter aus der selektiven Schule eine fördernde Schule werden muss. In einer qualitätsvollen ganztägigen gemeinsamen Schule für alle Sechs- bis 15-Jährigen würden die Schüler/-innen ihren Begabungen entsprechend einen individuell optimalen Mix aus Förderung und Anforderung erhalten. „Damit wird die Drop-Out-Gefährdung spürbar reduziert“, ist Kalliauer überzeugt.

Rund die Hälfte junger Bildungsaussteiger/-innen hat zuvor eine Lehrausbildung begonnen und keinen positiven Abschluss erreicht. Der vorzeitige Ausstieg aus einer Lehre bedeutet oft auch einen Komplettausstieg aus dem Ausbildungssystem, weil Umstiege in andere Ausbildungen schwer realisierbar sind. Umso wichtiger ist auch im Bereich der Lehre die Vorbeugung: Als verlässliches und nachhaltiges Mittel gegen den Lehrlings-Drop-Out bieten sich die Qualitätssicherung der betrieblichen Ausbildung sowie Verbesserungen im Prüfungsbereich (zum Beispiel durch Teil- und Zwischenprüfungen) an. „Die öffentlichen Fördermittel für die Lehrlingsausbildung sollen künftig primär von nachweislicher Ausbildungsqualität und Erfolgsrate abhängig sein“, fordert Kalliauer.

Ungefähr ein Fünftel der Bildungsaussteiger/-innen kommt aus weiterführenden Schulen. Sie brechen nach der 10. Schulstufe ihre ihre Schullaufbahn ab, ohne in eine andere Ausbildung zu wechseln. Auch für diese Gruppe braucht es präventive Maßnahmen, damit es erst gar nicht zum frühzeitigen Ausstieg kommt. Wenn sich weiterführende Schulen nicht primär als Elitenausbildung begreifen – was notgedrungen Selektion nach sich zieht –, sondern den möglichst großen Erfolg möglichst vieler als Hauptziel sehen, wäre ein wichtiges Signal gesetzt. Dafür braucht es bildungspolitische Anreize.

Ein zweiter wichtiger Schritt neben der Drop-Out-Vorbeugung sind Maßnahmen des Drop-In. In diesem Kontext ist die im Herbst eingeführte Ausbildungsgarantie bis 18 als Chance zu sehen. „Schule und Lehre müssen mehr Verantwortung übernehmen und nicht alles den Reparaturwerkstätten der Arbeitsmarktpolitik und Sozialarbeit überlassen“, sagt der AK-Präsident. Nicht zuletzt ist auch die Landespolitik gefordert: „Das Land Oberösterreich muss endlich aktiv werden. Wir brauchen ein umfassendes Offensivpaket, um Bildungsarmut zu bekämpfen“, fordert Präsident Kalliauer.

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