Neues Volksblatt: "Verantwortung" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 18. Oktober 2016

Linz (OTS) - Seit fünf Jahren steht das Haus in Braunau leer. Nun zieht der Innenminister gleich die doppelte Notbremse. Einerseits soll das Haus enteignet werden, um die „Pflege, Förderung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts oder eines bejahenden Gedenkens an den Nationalsozialismus“ dauerhaft verhindern zu können. „Im Haus wurde am 20. April 1889 Adolf Hitler geboren. Diese Tatsache macht es zum zentralen Objekt neonazistischer Erinnerungskultur und einem für die rechtsextreme Ideologie identitätsstiftenden Ort,“ heißt es in den Erläuterungen zum Gesetz, das Ende des Jahres in Kraft treten soll. Und andererseits soll das Haus nun auch real verschwinden und abgerissen werden. In der Amtssprache heißt es, dass nach der „Neugestaltung keinerlei Verbindung zur Person Adolf Hitlers bestehen bleiben“ soll.
Klar ist, dass dadurch das schwere Erbe und auch die damit verbundene Verantwortung für Hitlers Geburtsstadt nicht verschwindet. Und Braunau und die Republik Österreich müssen sich auch dieser Verantwortung immer wieder aufs Neue stellen. Denn Verantwortung übernehmen heißt heute etwas anderes als bei Kriegsende — als Nazis das Haus sprengen wollten und US-Soldaten eine Mahnstätte im Haus errichteten. 72 Jahre danach gilt es zu verhindern, dass aus dem Biedermeierhaus ein Symbol für Ewiggestrige wird. Daher ist dieser Schlussstrich notwendig.

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