„kreuz und quer“ am 18. Oktober: „Österreich für Fortgeschrittene – Horn ein Jahr danach“ und „Die Kinderkrieger der Taliban“

Wien (OTS) - Die niederösterreichische Stadt Horn im Waldviertel hat im vergangenen Jahr 110 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern aufgenommen. Vorausgegangen war eine heftige Bürgerdiskussion, bei der es gelungen ist, die Herausforderung offensiv anzugehen. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft war plötzlich groß. Kaum waren die Flüchtlinge da, organisierte die Bürgerinitiative „Willkommen Mensch in Horn“ im großen Flüchtlingsheim „Haus Helina“ Deutschkurse, Kunstkurse, Fußballtrainings und viele andere Angebote. Schnell bildeten sich Freundschaften und Bekanntschaften zwischen den Hornern und den Neuankömmlingen. In Peter Beringers Dokumentation „Österreich für Fortgeschrittene – Horn ein Jahr danach“ schaut „kreuz und quer“ – präsentiert von Christoph Riedl-Daser – am Dienstag, dem 18. Oktober 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 ein Jahr später nach, was aus der Hilfsbereitschaft der Horner geworden ist und wie es den Menschen geht, die flüchten mussten und in Horn eine neue Heimat gefunden haben.

Um 23.10 Uhr folgt Najibullah Quraishis Film „Die Kinderkrieger der Taliban“: In Afghanistan rekrutieren die Taliban systematisch auch Kinder und Jugendliche für ihre Zwecke. Mehr als 200 dieser Kinderkrieger sind derzeit in eigenen Straflagern in ganz Afghanistan inhaftiert. Sie wurden als Taliban-Kämpfer gefangen genommen und verurteilt. Viele von ihnen sollten Selbstmordattentate verüben – gegen die Amerikaner, gegen die eigenen Soldaten, die mit den „Fremden“ gemeinsame Sache machen.

„Österreich für Fortgeschrittene – Horn ein Jahr danach“ – Ein Film von Peter Beringer

Konflikte und Probleme sind nicht ausgeblieben: etwa zwischen den professionellen Betreibern des Flüchtlingsheims und den Horner Freiwilligen, die ihr Engagement im „Haus Helina“ schon deutlich zurückgefahren haben. Viele der Flüchtlinge haben inzwischen positive Asylbescheide oder subsidiären Schutz bekommen, und rund 70 haben sich in und um Horn angesiedelt. Doch Arbeitsplätze gibt es für sie im Waldviertel so gut wie keine, und leistbarer Wohnraum ist äußerst knapp. Andere Flüchtlinge warten schon seit mehr als einem Jahr auf ihr Verfahren, stecken im Heim oder in Privatquartieren fest. Das Land besetzt die freiwerdenden Plätze im Flüchtlingsheim stetig nach. Die Zahl der Asylwerber und Schutzberechtigten in Horn liegt inzwischen bei mehr als 190.

Die Stadt und die Helfer stehen vor Herausforderungen, mit denen sie so nicht gerechnet haben. Im großen Flüchtlingsheim, wo vor einem Jahr hauptsächlich Familien untergebracht wurden, leben jetzt viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und alleinstehende junge Männer. Konflikte, auch gewalttätige Auseinandersetzungen unter ihnen, und kriminelles Fehlverhalten von Einzelnen sind nicht ausgeblieben. Außerhalb des Heims wächst für die Helfer die Arbeitslast. Die Freiwilligen haben es mit stetig mehr Schützlingen zu tun, die sich in Horn ansiedeln und sehr konkret Hilfe brauchen:
bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, beim – äußerst schwierigen – Familiennachzug, bei Behördengängen, in Fragen von Beihilfe und Sozialleistungen und vielen anderen Problemen des Alltags. „Wir nähern uns dem Plafond“, sagen die Bürger, das sagt auch der Bürgermeister, der das Heim am liebsten im kommenden Jahr schließen würde.

Dennoch ist die Stimmung unter den Helfern gut. Viele der Flüchtlinge sprechen – dank der von „Willkommen Mensch“ organisierten Kurse, inzwischen akzeptables Deutsch und können ihren Alltag in der fremden neuen Heimat fast allein bewältigen. Die Kinder gliedern sich in den Schulen und Kindergärten in Horn – auch mit Hilfe und durch Mehrleistungen der Pädagogen – gut ein. Insgesamt sagen sie, ist die Integrationsarbeit von „Willkommen Mensch“ ein großer Erfolg. Wie dies zustande kommt, zeigt der Film von Peter Beringer.

„Die Kinderkrieger der Taliban“ – Ein Film von Najibullah Quraishi (ORF-Bearbeitung: Sabine Aßmann)

„Die Taliban sind gut“, sagt der zehnjährige Neaz in die Kamera. Er gehört zur neuen Generation afghanischer Terroristen. „Sie haben mir eine Bombenweste gegeben und gesagt, ich soll mich am Checkpoint in die Luft jagen.“ 50 Afghanis (etwa 60 Cent) sollte Neaz als Gegenwert für sein Leben bekommen. Doch der kleine Bub lief davon – und lebt nun als Kriegswaise in einem afghanischen Waisenhaus. Die Dokumentation zeigt diese Kinder und Jugendlichen in den Waisenhäusern und Straflagern des Landes. Und sie zeigt auch, wie schwer es ist, diesen Kinderkriegern der Taliban eine Perspektive zu geben und ein neues Wertesystem zu vermitteln. Denn die meisten von ihnen haben in ihrem Leben nichts als Krieg kennengelernt – und machen dafür die Streitkräfte aus dem Ausland verantwortlich. „Die Amerikaner wollen unser Land ausrauben“, lautet denn auch das Fazit von Neaz. Und ein anderer Waisenbub: „Die Taliban bauen unser Land auf. Die Amerikaner sind gekommen, um es zu zerstören.“

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