TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 16.10.2016, Leitartikel von Manfred Mitterwachauer: "Die fetten Jahre sind vorbei"

Innsbruck (OTS) - Die Kritik der einzig noch vorhandenen Opposition im Innsbrucker Gemeinderat, der blauen Hybridfraktion aus FPÖ und Liste Federspiel, wird vernichtend sein. Dazu braucht es keine Hellseher. Das vorliegende Doppelbudget für die Jahre 2017 und 2018 wird noch mehr Schulden für die Landeshauptstadt mit sich bringen. 13 bzw. 15 Millionen Euro Minus sind prognostiziert. Das ist eine Menge, bedenkt man die Tatsache, dass zur Bedeckung der geplanten Investitionen im Jahre 2017 zudem satte 83 Millionen an Kommunaldarlehen aufgenommen werden müssen.
Innsbrucks Schuldenberg wächst nach Jahren des kontinuierlichen Abbaus wieder an. Noch im Rechnungsabschluss 2015 hielten sich die reinen Bankschulden (rd. 19 Mio. €) mit den Rücklagen (rd. 16 Mio. €) in etwa die Waage. Das wird für die kommenden Jahre kaum zu halten sein. Geschuldet ist dies Großprojekten wie Straßen- und Regionalbahn, Haus der Musik, Patscherkofelbahn, MCI-Neubau. Stadtbeteiligungen wurden hierfür bereits veräußert und die Europäische Investitionsbank angezapft. Weitere Millionenvorhaben zu stemmen, dürfte für die Stadtverantwortlichen wohl nur noch mit einiger budgetärer Kreativität möglich sein. Hinzu kommen Ausgaben, die der Stadt ohne großes Zutun davongaloppieren: wie die Sozialausgaben. Erste Kostenbremsen, wie bei der Mietzinsbeihilfe, sind bereits in Kraft. Insofern stellt sich schon die Frage, wie sich die Stadt jenen finanziellen Spielraum schaffen will, um ihre offenkundigen Olympiaträume ohne neue Belastungen für die Bevölkerung zu realisieren.
Noch muss einem um die finanzielle Gebarung der Landeshauptstadt trotz allem nicht angst und bange sein. Doch eines ist nicht von der Hand zu weisen: Die fetten Jahren sind vorbei.

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