Der Tag des weißen Stocks 2016

Am 15. Oktober wird international auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam gemacht

Wien (OTS) - Der weiße Stock ist wohl eine der markantesten Orientierungshilfen blinder und sehbehinderter Menschen weltweit. Ist der Umgang mit dem langen, flexiblen Hilfsmittel erst gelernt, kann der Langstock zu einem Utensil werden, das Selbstständigkeit und Sicherheit im täglichen Leben fördert. Dabei kommt er zweifach zum Einsatz, denn der Stock unterstützt nicht nur die Mobilität der betroffenen Person, sondern kennzeichnet sie auch für andere Verkehrsteilnehmer.

Verschiedenen Quellen zur Folge soll der Engländer James Biggs Anfang der Neunzehnzwanzigerjahre seinen Spazierstock weiß gefärbt haben, um auf seine Blindheit aufmerksam zu machen und somit einer der Initiatoren des weißen Stocks geworden sein. Tatsächlich scheint aber mit einer Beschleunigung des Straßenverkehrs zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts auch die Entwicklung des weißen Stocks als wichtiges Mobilitätsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen zugenommen zu haben.

Seit dem Jahr 1969 wird am 15. Oktober der Tag des weißen Stocks als Symbol für Blindheit und Sehbehinderung begangen und weltweit für Aktionen genutzt, die auf die Lage blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam machen und zu einer Sensibilisierung der Gesellschaft führen sollen.

318.000 Menschen in Österreich haben eine dauerhafte Sehbeeinträchtigung und stehen somit täglich vor der Herausforderung, sich sicher und selbstbestimmt fortzubewegen und ein möglichst eigenständiges Leben zu führen. Ist ein inklusives, barrierefreies Umfeld gegeben, in dem Informationen zugänglich sind und die Partizipation am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben nicht durch ausschließende Faktoren erschwert ist, wird ein autonomer Lebensstil möglich.

Leider wirken aber noch unterschiedlichste Punkte erschwerend ein:
seien es bauliche Barrieren oder die gedachten Barrieren der Mitmenschen, die blinden und sehbehinderten Personen aus Unwissen oder vorurteilsvoller Haltung heraus Selbstständigkeit absprechen; Hindernisse gibt es zur Genüge.

Ein Beispiel für mangelnde Durchführung einer eigentlich guten Sache stellt die Österreichische Post AG. Im Falle der neuen Abholstationen der Post, da Empfänger hinterlegte Pakete auch außerhalb der Öffnungszeiten entgegennehmen können, wird nicht nur das Gleichstellungsgesetz, sondern auch eine wichtige Grundlage der Inklusionsgesellschaft verletzt, denn blinden Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen ist die Bedienung der neuen Terminals aufgrund fehlender Maßnahmen erschwert bis verunmöglicht.

Der BSVÖ bedauert, dass in der Planungsphase der neuen Abholstationen seitens der Post nicht mit dem verbandseigenen Referat für Barrierefreiheit oder mit den Experten einer der sieben Landesorganisationen kommuniziert und zusammengearbeitet wurde, denn dies hätte blinde und sehbehinderte Kunden davor bewahren können, mit einer höchst problematischen Selbstabholung konfrontiert zu sein. Außerdem hätten Kosten, die durch ein Nachrüsten anfallen, im Vorhinein verhindert werden können.

Die Situation, die sich aus dem Versuch eines gemeinsamen Vorgehens ergab, ist leider ebenfalls ernüchternd. Während bei der Post zwar eingesehen wird, dass mit den Selbstabholungsanlagen die Barrierefreiheit verletzt wurde, wird auf die Herstellerfirma der Automatenlösungen verwiesen. Diese wiederum referiert auf Realisierungskonflikte die sich aus verschiedenen Nutzergruppen ergeben würden, wodurch zwar das Problem angesprochen ist, aber die Bereitschaft fehlt, neue Lösungsmöglichkeiten anzustreben.
Der Österreichische Blinden- und Sehbehindertenverband wünscht sich am Tag des weißen Stocks, dass durch durchdachtes Vorgehen Barrierefreiheit in allen Bereichen umgesetzt wird und dass blinden und sehbehinderten Menschen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben nicht durch fehlerhafte Planung, mangelnde Standards oder durch die Scheu vor Zusatzaufwand genommen wird.

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ) ist eine Selbsthilfeorganisation und ein gemeinnütziger Verein ohne Bindung an eine Partei oder Konfession. Die Bemühungen und Unternehmungen des BSVÖ und seinen sieben Landesorganisationen in allen Bundesländern sind durch den Leitgedanken bestimmt, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und dadurch dazu beizutragen, dass blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Der BSVÖ ist in folgenden Bundesländern vertreten: Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien (Sitz auch für Niederösterreich, Burgenland). Insgesamt vertritt er die Interessen von 318.000 blinden und sehbehinderten Menschen in Österreich.

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