Goldenes Brett: Ryke Geerd Hamer ausgezeichnet – Roland Düringer geht leer aus

Wien (OTS) - - Der ehemalige Arzt Ryke Geerd Hamer erhält den Negativpreis für den größten unwissenschaftlichen Unsinn des Jahres und konnte damit sogar Roland Düringer und das Krebszentrum Brüggen-Brachtauf die Ränge verweisen

Zum sechsten Mal wurde am 11. Oktober 2016 das „Goldene Brett vorm Kopf“ verliehen. Über 200 potenzielle Kandidaten - Personen und Institutionen - wurden nominiert. Eine Jury wählte zunächst drei Finalisten und schließlich den Sieger: Ryke Geerd Hamer, der Vater der „Germanischen Neuen Medizin“ wird mit dem Negativpreis ausgezeichnet. In die engere Auswahl hatten es außerdem noch das Krebszentrum Brüggen-Bracht und der Kabarettist Roland Düringer geschafft.

Offiziell bekanntgegeben wurde der Sieg von Ryke Geerd Hamer bei zwei parallel durchgeführten Preisverleihungs-Shows in Wien und Hamburg. Vergeben wird das Goldene Brett von der GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften), die sich für Wissenschaft und kritisches Denken einsetzt.

Unwirksame Pseudomedizin gegen Krebs

Unter dem Namen „Germanische Neue Medizin“ verbreitet der ehemalige Mediziner Ryke Geerd Hamer seine Thesen. Krebs hält er für eine „Krankheit der Seele“ und ein „sinnvolles biologisches Sonderprogramm“. Behandlungsmethoden wie Chemotherapie oder chirurgische Entfernung von Tumoren lehnt er ab. Weder der Entzug der Approbation als Arzt noch Haftstrafen konnten ihn bisher davon abhalten, seine wissenschaftlich haltlosen Ideen weiter zu verbreiten. Als Basis für seine Behauptungen dient nicht etwa wissenschaftliche Forschung, er beruft sich stattdessen auf angebliche übersinnliche Botschaften, übermittelt durch seinen verstorbenen Sohn. Seine gefährlichen medizinischen Ansichten verknüpft Hamer überdies mit wirren antisemitischen Verschwörungstheorien.

Wiederholt sind bereits Patienten verstorben, die auf Anraten Hamers wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethoden ablehnten. Besonders bekannt wurde der Fall der 5-jährigen Krebspatientin Olivia (1995), die von Hamer behandelt wurde. Das Kind wurde schließlich gegen den Willen der Eltern operiert und überlebte. Auch 2016 gelangte Hamer wieder in die Schlagzeilen, als in Italien eine 18-jährige Krebspatientin starb, nachdem ihre Eltern gemäß Hamers Thesen eine Chemotherapie abgelehnt hatten.

Skeptiker warnen: Pseudomedizin kann Ihre Gesundheit gefährden

Wie bereits in den vergangenen Jahren gab es auch 2016 viele preiswürdige Kandidaten. Für Ryke Geerd Hamers Sieg gab es letztlich zwei entscheidende Gründe:

Erstens zeigt sein Fall sehr deutlich, wie gefährlich Pseudowissenschaft sein kann. Wer selbsternannten Wunderheilern vertraut, setzt möglicherweise sein Leben aufs Spiel. Esoterik und Pseudomedizin als harmlosen Unfug zu verharmlosen, wäre daher ein schwerer Fehler.

Zweitens ist Hamer auch ein eindrucksvolles Beispiel für Kritikresistenz. In der Wissenschaft ist es entscheidend, die eigene Überzeugung immer wieder zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen. In der Pseudowissenschaft hingegen hat man es oft mit unverrückbaren Dogmen zu tun. Wenn weder der ausbleibende Heilungserfolg bei den Patienten noch Gerichtsurteile ausreichen, um die eigene Theorie zu überdenken, dann muss man schon ein ganz besonderes Brett vorm Kopf haben – Hamer hat sogar ein goldenes.

Goldenes Brett fürs Lebenswerk: Zentrum der Gesundheit

Auch ein Goldenes Brett fürs Lebenswerk wurde wieder vergeben: Es ging an das Zentrum der Gesundheit. Die Website www.zentrum-der-gesundheit.de stellt sich als neutrale Informationsplattform dar. Tatsächlich werden dort jedoch pseudomedizinische Thesen vertreten, Angst geschürt und Verschwörungstheorien eine Plattform geboten. Im umfangreichen Shop gibt es Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika, und passenderweise tauchen Links zu den einzelnen Produkten direkt neben den entsprechenden pseudo-redaktionellen Beiträgen auf. Die Verbraucherzentrale Hamburg bescheinigte www.zentrum-der-gesundheit.de ein großes Verkaufsinteresse, eine schlechte Transparenz der Informationen zum Anbieter sowie eine mangelhafte Objektivität der Ernährungsberatung.

Fotos der Veranstaltung liegen unter
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Michael Horak
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