Lunacek: „Ausgezeichnete KandidatInnen ins Finale des Sacharow-Preises gewählt“

Türkischer Journalist, Krimtataren-Anführer und jesidische Menschenrechtsaktivistinnen im Finale

Wien (OTS) - „Der Außen- und der Entwicklungsausschuss des Europäischen Parlaments hat in seiner heutigen Abstimmung eine ausgezeichnete Auswahl an FinalistInnen für den Sacharow-Preis 2016 getroffen.
Besonders freut mich, dass sich der von der Grünen Fraktion vorgeschlagene türkische Journalist Can Dündar auf dieser Shortlist wiederfindet. Der ehemalige Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet wurde im November 2015 festgenommen. Seine Zeitung hatte Aufnahmen einer Waffenlieferung des türkischen Nachrichtendienstes an Rebellen in Syrien veröffentlicht. Er wurde wegen des „Verrats von Staatsgeheimnissen“ zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, legte gegen das Urteil jedoch Berufung ein. Can Dündar hat einen Mordanschlag überlebt und lebt im Exil. Er ist ein Symbol für die VerteidigerInnen der Gedanken- und Meinungsfreiheit in der Türkei.

Der zweite Finalist ist der langjährige Anführer der Krimtataren Mustafa Dschemilew, der sich seit über fünfzig Jahren für Menschen-und Minderheitenrechte engagiert. Als er sechs Monate alt war, wurde er zusammen mit seiner Familie wie alle Krimtataren nach Zentralasien deportiert. Erst 45 Jahre später konnte er zurückkehren. Nun, nach der Annexion durch Russland, wird dem Menschenrechtsaktivisten die Einreise auf die Krim neuerlich verwehrt.

Neben den beiden Herren wurden die beiden jesidischen Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar ins Finale des Sacharow-Preises gewählt. Sie engagieren sich für die jesidische Gemeinschaft und machen auf das Schicksal der Frauen aufmerksam, die Opfer der sexuellen Versklavung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ geworden sind. Beide stammen aus dem Dorf Kocho, einem der Dörfer nahe Sindschar (Irak), wo der IS im Sommer 2014 ein Massaker verübt hatte. Sie sind zwei von tausenden jesidischen Frauen und Mädchen, die vom IS verschleppt und sexuell versklavt worden sind. Sie konnten aus der Gefangenschaft entkommen. Nadia Murad Basee kämpft zudem für die Anerkennung des Völkermords an den Jesiden.

Alle KandidatInnen in dieser Liste verdienen unseren vollen Respekt und unsere Anerkennung und wären würdige PreisträgerInnen“, erklärt Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und in dieser Funktion für das Sacharow-Netzwerk des Europaparlaments zuständig, nach der Bekanntgabe der Shortlist für den Sacharow-Preis 2016.

Der/die Preisträger/Innen werden vom Parlamentspräsidenten und den Fraktionsvorsitzenden am 27. Oktober bestimmt. Die Preisverleihung findet am 14. Dezember in Straßburg statt.
Mit dem Sacharow-Preis zeichnet das EU-Parlament jedes Jahr Personen und Organisationen aus, die sich weltweit in besonderer Weise für die Menschenrechte eingesetzt haben. Dadurch werden einerseits Verstöße gegen die Menschenrechte aufgezeigt und andererseits die Preisträger und ihre Anliegen unterstützt.

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