Equal Pay Day 2016: Halbe/Halbe bei unbezahlter Arbeit endlich einhalten!

Städtebund startet Kampagne „Wickeln wirkt – auf Männer wie auch auf Frauen“

Wien (OTS/RK) - Im Jahr 2016 fällt der Equal Pay Day, also jener Tag, an dem Vollzeit arbeitende Männer bereits das Jahreseinkommen von Vollzeit arbeitenden Frauen erreicht haben, auf den 11. Oktober. Für die Frauen bedeutet dies ein Minus von 22,36 Prozentpunkten gegenüber dem Jahreseinkommen der Männer. Einer der Gründe dafür liegt in der immer noch ungleichen Beteiligung von Männern und Frauen an der unbezahlten Arbeit. Dies hat der Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes unter dem Vorsitz der Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger in der Kampagne „Wickeln wirkt – auf Männer wie auch auf Frauen“ thematisiert. Haushaltsarbeit, Kinderbetreuung und Pflege älterer Menschen werden zu 75 Prozent von Frauen erledigt – als Folge haben Frauen weniger Verdienst und später auch weniger Pension.

Immer mehr Teilzeitarbeit vermindert Einkommen

Die Veränderungen im Erwerbsalltag von Frauen lassen annehmen, dass der Equal Pay Day auch in den nächsten Jahren nicht wesentlich nach hinten rücken wird:
Zwar hat die Erwerbsbeteiligung von Frauen insgesamt zugenommen – von 1994 bis 2015 ist sie von 59 Prozent auf 67 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil an Teilzeitbeschäftigung von Frauen fast verdoppelt, sie ist von 26 Prozentpunkten auf 48 Prozentpunkte gestiegen. Dies bedeutet nicht nur ein geringeres Gehalt aufgrund der verminderten Stundenanzahl. Denn eine Teilzeitbeschäftigung ist durchschnittlich auch pro Arbeitsstunde im Schnitt um 22 Prozent schlechter entlohnt. Ein 20-Stunden-Job bringt also nicht die Hälfte eines 40-Stunden-Jobs, sondern deutlich weniger. Auch hier werden Frauen systematisch benachteiligt: Vier von fünf Teilzeitjobs entfallen auf weibliche Beschäftigte.
Wie sich die weiter verbreitete Teilzeitbeschäftigung von Frauen, der segregierte Arbeitsmarkt, sowie die ungleiche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit auf die Pension der Frauen auswirken, lässt sich am Equal Pension Day ablesen. Dieser Tag fiel im Jahr 2016 bereits auf den 27. Juli. Er bedeutet 43 Prozent weniger Pension für die Frauen.

Erwerbsmuster zwischen Vätern und Müttern unterscheidet sich deutlich

Interessant sind die Erwerbsmuster der Geschlechter nach der Geburt eines Kindes, sie bewegen sich in diametral entgegengesetzte Richtungen: so sind 86 Prozent der Väter von einem oder mehreren Kindern bis 15 Jahren Vollzeit beschäftigt, bei Frauen sind dies nur 18 Prozent. Die Vorsitzende des Frauenausschusses, Stadträtin Sandra Frauenberger, betont: „Ziel muss es sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Männer motiviert werden, ihren Beitrag bei der Kinderbetreuung und im Haushalt zu übernehmen. Das kann nur gelingen, wenn das Einkommen der Frauen endlich an das der Männer angeglichen wird. Würden Frauen und Männer gleich viel verdienen, würden diese Zahlen völlig anders aussehen.“

Frauen vorwiegend Zuverdienerinnen

„Es kann nicht sein, dass Frauen mit der Geburt eines oder mehrerer Kindern in die Abhängigkeitsfalle gedrängt werden. Es sind jedenfalls auch die Partner der Frauen gefragt, die Frauen bei der unbezahlten Arbeit partnerschaftlich zu unterstützen, damit die Frauen selbstbestimmt und finanziell unabhängig leben können.“, sagt Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes -und einer der ersten Männer, der im Wiener Magistrat in Karenz gegangen ist.

Parallelen zwischen Kindergartenplätzen und Equal Pay Day

Ein wesentlicher Faktor ist bei der Frage des Frauenerwerbs das Angebot an adäquaten Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Bei der Kinderbetreuung gibt es allerdings noch keine flächendeckende Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum fehlen Ganztagesplätze, auch gibt es starke regionale Unterschiede. Auffallend dabei: Die Reihung beim Equal Pay Day verläuft nahezu parallel zur Reihung des Angebotes an Kinderbetreuungsplätzen, die mehr als neun Stunden geöffnet haben (siehe Tabellen 2 und 3).
„Als Städte und Gemeinden leisten wir einen wesentlichen Beitrag, indem wir hochwertige Kinderbetreuungsplätze anbieten, aber auch, indem wir Bewusstseinsbildung zu den Einkommensunterschieden machen. Es muss den Frauen in naher Zukunft ermöglicht werden, die Hälfte des Haushaltseinkommens beitragen zu können - und später von der eigenen Pension leben zu können.“, so Ausschussvorsitzende Sandra Frauenberger abschließend.

Kampagne 2016 „Wickeln wirkt“

Informationen zur Kampagne „Wickeln wirkt“ gibt es in den städtischen Frauenbüros, die zugehörigen Windeln zur Kampagne gibt es dort als kleines Geschenk und als „Erinnerung“ daran, dass eine gerechtere Aufteilung der unbezahlten Arbeit auch zu einer gerechteren Einkommensverteilung führt.

Tabelle 1: Österreichweiter Equal Pay Day seit 2010

2010: 29. September 2011: 4. Oktober 2012: 6. Oktober 2013: 8. Oktober 2014: 10. Oktober 2015: 10. Oktober 2016: 11. Oktober

Quelle: AK OÖ

Tabelle 2: Equal Pay Day 2016 nach Bundesländern

Vorarlberg: 14. September Oberösterreich: 25. September Tirol: 1. Oktober Salzburg: 2. Oktober Steiermark: 6. Oktober Niederösterreich: 9. Oktober Kärnten: 12. Oktober Burgenland: 14. Oktober Wien: 27. Oktober Quelle: AK OÖ Tabelle 3: Anteil der Kindergärten

Oberösterreich: 26,3%
Vorarlberg: 28,5%
Tirol: 33,9%
Steiermark: 44,6%
Niederösterreich: 46,6%
Salzburg: 51,7%
Burgenland: 53%
Kärnten: 54,6%
Wien: 97,7%

Quelle: Kindertagesheimstatistik 2015/16, Statistik Austria Mehr zum Österreichischen Städtebund: www.staedtebund.gv.at

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