AK zum Equal Pay Day: Trotz Lichtschimmer ist noch viel zu tun

Der 11. Oktober ist jener Tag, ab dem Frauen in Österreich – statistisch gesehen – „gratis“ arbeiten.

Wien (OTS) - Statistisch gesehen müssen Frauen in Österreich im Jahr 2016 um 82 Tage länger arbeiten, um gleich viel zu verdienen wie Männer. Um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern zu schließen, fordert die Arbeiterkammer anlässlich des Equal Pay Day unter anderem eine Weiterentwicklung der Einkommensberichte und einen arbeitsrechtlich abgesicherten Anspruch auf den Vatermonat.

Alle Jahre wieder findet er im Herbst statt: Jener Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen „gratis“ arbeiten. Heuer ist es bundesweit der 11. Oktober. Warum Frauen statistisch gesehen fast drei Monate lang im Vergleich zu Männern ohne Entgelt arbeiten, hat altbekannte Gründe: Nämlich die ungleiche Aufteilung der Familienarbeit und damit ein hoher Anteil von Frauen in Teilzeit, schlechtere Bezahlung in typisch weiblichen Berufen, wenig Frauen in Führungspositionen und zu wenig Transparenz bei der Bezahlung. Dazu kommen unzureichende Angebote in der Kinderbetreuung und -bildung und auch in der Pflege. Als „Lichtschimmer am Horizont“ bezeichnet AK-Expertin Sybille Pirklbauer, dass sich langsam, aber doch etwas bewegt: Immer mehr Männer wollen auch ihre Rechte als Vater in Anspruch nehmen, beim Ausbau der elementaren Bildungseinrichtungen geht es langsam aber doch voran, und die betrieblichen Einkommensberichte sowie die Gehaltinfos in den Stelleninseraten haben ein Mehr an Transparenz geschaffen.

Fand der Equal Pay Day 2013 noch am 8. Oktober statt, werden Frauen im Schnitt jetzt statistisch um zwei Tage länger bezahlt. Am besten ist die Situation in Wien, wo dieser Tag auf den 27. Oktober fällt. In Vorarlberg endet die Bezahlung der weiblichen Beschäftigten indes bereits Mitte September. Warum zwischen den Wienerinnen und Wienern der Gehaltsunterschied kleiner ist, hat mit dem sehr guten Angebot in der Kinderbetreuung und -bildung zu tun.

Dass Vereinbarkeit trotzdem vor allem ein Frauenthema ist, zeigt sich an folgenden Zahlen: Während nur 6 Prozent der Männer mit Kindern unter 15 Jahren im Haupterwerbsalter Teilzeit arbeiten, sind es bei den Frauen 67 Prozent. Allerdings ist das lange Zuhausebleiben nach der Geburt eines Kindes zunehmend "out": Wählten zum Zeitpunkt der Einführung der Kurzmodelle beim Kinderbetreuungsgeld nur 43 Prozent der Mütter ein solches, sind es mittlerweile zwei Drittel. Parallel dazu ist der Anteil der Väter, die Kinderbetreuungsgeld in Anspruch nehmen, auf immerhin 19 Prozent gestiegen.

„Die Richtung stimmt also, allerdings ist das Tempo deutlich zu langsam“, sagt Pirklbauer. Vor allem, wenn man bedenkt, dass in den Geschäftsführungen etwa 13 Mal so viele Männer wie Frauen vertreten sind, Aufsichtsräte sind zu 82,3 Prozent von Männern dominiert.

Es braucht aber weitere Schritte, damit die Einkommensschere zwischen Frauen und Männer geschlossen wird. Dazu gehören:

+ Weiterentwicklung der Einkommensberichte (Aufsplitterung in Gehaltsbestandteile, Aktionsplan zur Beseitigung erhobener Gehaltsunterschiede) und Verbesserung der Gehaltsangaben in den Stelleninseraten (Bandbreite der Bezahlung)

+ Arbeitsrechtlich abgesicherter Anspruch auf den Vatermonat (Familienzeit) – derzeit gibt es zwar eine Geldleistung, aber kein Recht auf Freistellung

+ Arbeitszeit: Teilzeitkräfte aus dem eigenen Betrieb sollen künftig bei gleicher Qualifizierung gegenüber externen BewerberInnen bei der Besetzung von Stellen mit längerer Arbeitszeit bevorzugt berücksichtigt werden. Die Arbeitszeitwünsche im Betrieb sollen in regelmäßigen Abständen erhoben und die Umsetzbarkeit geprüft werden

+ Weiterer Ausbau der Elementarbildung, Schaffung eines Bundesrahmengesetzes und eine nachhaltige Form der Finanzierung

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