ELGA-Probebetrieb in Deutschlandsberg: chaotisches Flickwerk - Bei Ausrollung der E-Medikation droht nächster Ärzteaufstand

Wien (OTS) - Knapp vor dem ursprünglich geplanten Abschluss des ELGA-Testbetriebes im Bezirk Deutschlandsberg steht das Urteil der beobachtenden Kassenärzte Österreichs fest. Das Projekt „e-Medikation“ ist unausgereift und nicht praxistauglich. Dem Wunschkonzert von Patientenanwälten und Seniorenvertretern muss ein Ende bereitet werden. Es geht nicht an, dass branchenfremde Bürokraten ständig neue Belastungen für Vertragsärzte herbeisehnen. Bei der Forderung der Gesundheitsreformer nach angeblich längst fälliger Medikamenten-Koordination durch die e-Medikation werden bei unseren Patienten falsche Erwartungen geweckt. Mit Medienberichten über ein vermeintlich erfolgreiches Pilotprojekt im steirischen Bezirk Deutschlandsberg werden Außenstehende bewusst falsch informiert.

Bruchlandung statt eines erfolgreichen Pilotprojekts

Tatsache ist, dass der seit Mai stattfindende Testbetrieb bei nur zwölf teilnehmenden Ärzten einer Bruchlandung gleichkommt. Ärzte steigen aus dem Projekt aus, um Wochen später plötzlich wieder mitzumachen. Manche EDV-Firmen zeigen sich überhaupt unfähig, die e-Medikation in die Ordinationssoftware einzubinden. Der gesetzlichen Vorgabe, vor jeder Speicherung eines neuen Medikaments den Patienten über sein Recht des sogenannten „situativen-Opt-out“ aufzuklären, dürfte überhaupt nicht nachgekommen werden. So kann auch die Fortsetzung des Probebetriebes am klaren Urteil nichts ändern: Die e-Medikation ist weder in 12 noch in 24 Monaten praxistauglich!

Investitionen von 7.000,- Euro und eine Stunde Mehrarbeit

Das Maß ist voll! Die Kassenvertragsärzte haben von überbordender Bürokratie und fanatischem Regulierungswahn des Gesetzgebers die Nase voll. Die Palette der Qualen reicht von Mystery Shopping in unseren Ordinationen über Ausweiskontrollen bei Fremdpatienten bis zum Zwang an ELGA teilzunehmen. Die damit verbundene Verpflichtung zur E-Medikation bringt das Fass zum Überlaufen. Pro Praxis muss mit durchschnittlich 7.000,- Euro Investitionskosten gerechnet werden. Zeitverzögerungen bei der Datenverarbeitung und mangelnde Funktionalität verursachen pro Ordinationstag Mehrarbeit von einer Stunde.

Aufstand der Wiener Spitalsärzte als Vorbild

Die vom Teilnahmezwang bedrohten Kassenvertragsärzte Österreichs lehnen dieses zusätzliche bürokratische Joch unisono ab. Die geplante österreichweite Ausrollung gegen den Willen der Betroffenen wird einen Aufstand der Vertragsärzteschaft nach sich ziehen.

Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

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Dr. Wolfgang Geppert
Sprecher des Österreichischen Hausärzteverbandes
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