Mehr Unterstützung für Pflegende und Forschung – Das Präventionsfenster richtig nutzen

ÖGN und ÖAG zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September

Wien/Graz (OTS) - Konsequente Prävention, die schon lange vor ersten Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung einsetzen und gefördert werden sollte, mehr Unterstützung für betreuende Angehörige und eine bessere Schulung von Pflegegeld-Gutachtern sowie öffentliche Finanzspritzen für die österreichische Alzheimerforschung: Das sind die zentralen Botschaften von Univ.-Prof. Dr. Peter Dal-Bianco (Wien), Präsident der Österreichischen Alzheimergesellschaft (ÖAG), und Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt (Graz), Past Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September.

Betreuungspersonen brauchen Unterstützung – Pflegegeld-Gutachter sensibilisieren

80 Prozent der Alzheimer-Betroffenen werden von Angehörigen betreut, und das unter oft schwierigen Bedingungen, zumal die Erkrankung auch Persönlichkeitsveränderungen mit sich bringt. „Betreuende Angehörige verdienen nicht nur höchste gesellschaftliche Anerkennung für ihre Leistungen, sie brauchen auch mehr konkrete Unterstützung“, so Prof. Dal-Bianco. „Das betrifft zum Beispiel einen deutlichen Ausbau von Beratungs- und Entlastungsangeboten.“ Ein dringliches Problem sei die oftmals zu niedrige Einstufung von Betroffenen beim Pflegegeld, so Prof. Dal-Bianco: „Es ist Teil der Erkrankung, dass Alzheimer-Patienten sehr gut und geübt darin sind, eine geschönte Fassade aufrecht zu erhalten, was ihren Zustand betrifft. Wir müssen also Pflegegeld-Gutachter verstärkt dahingehend sensibilisieren, um eine zu niedrige Pflegegeldeinstufung zu verhindern.“

Konsequente Prävention ab dem mittleren Alter – 7 Schlüsselfaktoren vermeiden

Ein besonderes Anliegen ist es den Experten auch, mehr Bewusstsein für das große Potenzial gezielter Vorbeugung zu schaffen. „Die Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich langsam und hat einen langen Vorlauf, bevor es zu klinisch erkennbaren Symptomen kommt“, betont Prof. Dal-Bianco. Das bedeutet aber auch, dass wir ein sehr großes Präventionsfenster haben, das ab dem mittleren Lebensalter konsequent genutzt werden sollte.“

Sieben zentrale Lebensstil-Faktoren hat die Wissenschaft identifiziert, die das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung deutlich erhöhen:
- Depression
- Bewegungsarmut
- Rauchen
- Bluthochdruck
- niedrigerer Ausbildungsgrad
- Diabetes Typ 2
- Übergewicht

Entschlüsselung der Krankheits-Entstehung

Fortschritte verzeichnen die Experten bei Früherkennung und den diagnostischen Möglichkeiten. „In den vergangenen Jahren ist es gelungen, Vorstadien, sogenannte Prodromalstadien, der Alzheimer Krankheit zu definieren. Die Alzheimerkrankheit wird heute als Kontinuum gesehen, welches sich über mehr als 20 Jahre erstrecken kann und sich von prä-klinischen Stadien über das Mild Cognitive Impairment (MCI) Stadium bis zur tatsächlichen Demenz entwickelt. Glücklicherweise entwickelt nur ein Teil der Personen mit Alzheimerpathologie im Gehirn auch tatsächlich eine Demenz“, berichtet Prof. Schmidt. „Moderne bildgebende Verfahren wie die MRT, Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Amyloid-Imaging und Biomarker aus der Rückenmarksflüssigkeit können dazu beitragen, Personen mit hohem Alzheimerrisiko zu identifizieren, obwohl noch keine oder kaum merkliche Anzeichen einer Demenz bestehen.“

Innovative Therapie-Strategien

Intensiv arbeiten Wissenschaftler weltweit auch an einer laufenden Verbesserung und Weiterentwicklung der bereits verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten und an ganz neuen therapeutischen Ansätzen. Bei Morbus Alzheimer spielen Veränderung des Tau-Proteins, ein Eiweiß, welches für die Aufrechterhaltung des Zytoskeletts und den Nährstofftransport in der Nervenzelle von Bedeutung ist, eine Rolle. Auch weitere pathologisch veränderte Proteine beeinflussen das Krankheitsgeschehen, vor allem Beta-Amyloid. Genau bei diesen Proteinen setzen auch innovative therapeutische Strategien an, wobei insbesondere auf Immunisierungskonzepte gesetzt wird. Die weltweit erste Tau-Impfstudie bei Alzheimerpatientinnen und -patienten wurde in Österreich – in Wien und Graz – erfolgreich abgeschlossen, weitere Untersuchungen werden derzeit durchgeführt. Andere Forschergruppen entwickeln Immunisierungsstrategien gegen das Beta-Amyloid.

Investitionen in die Forschung gefordert

Während derartige Projekte zur Entwicklung neuer Therapien auf das Interesse und die Investitionsbereitschaft der pharmazeutischen Industrie bauen können, bestehe auf anderen Gebieten großer Forschungsbedarf, so Prof. Dal-Bianco: „"Österreich braucht für eine zielgerichtete Planung des Bedarfs an medizinischen Ressourcen und sozialen Versorgungsstrukturen dringend eigene Daten zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen, sowie eine Biobank, um als Partner bei konzertierter internationaler Forschung mitwirken zu können.“

Die Österreichische Alzheimer-Gesellschaft betreibt aus diesem Grund ein groß angelegtes Demenz-Datenbankprojekt, PRODEM-AUSTRIA, in dem klinische Daten über Alzheimer-Patienten gesammelt und wissenschaftlich bearbeitet werden. Die öffentliche Förderung für diese und andere Forschungsbemühungen ist in Österreich dünn gesät, kritisieren die Experten.

Weitere Informationen: http://bit.ly/2cVwEjc

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