ÖAMTC: Punkteführerschein Rückschritt gegenüber Vormerksystem

Deutschland hat sich mit Reform des Punkteführerscheines dem österreichischen Konzept angenähert

Wien (OTS) - Irritiert zeigt man sich beim ÖAMTC über die gestern veröffentlichte Idee von Verkehrsminister Leichtfried, das Vormerksystem durch einen sogenannten Punkteführerschein, wie er etwa in Deutschland üblich ist, zu ersetzen. "Es ist unklar, woher diese Idee stammt. Fest steht jedenfalls, dass der Punkteführerschein nicht zwangsläufig auch die Verkehrssicherheit erhöht", hält Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC Interessenvertretung, fest. Vergleicht man etwa die Anzahl der im Straßenverkehr Getöteten pro einer Million Einwohner, liegt Deutschland besser, Frankreich etwa gleichauf und Italien deutlich schlechter als Österreich. In jedem dieser drei Länder gibt es ein Punkteführerschein-System.

Im Gegensatz zum deutschen Punkteführerschein greift das österreichische Vormerksystem bei Risikolenkern viel schneller. "So führen bereits zwei Verstöße innerhalb von zwei Jahren, etwa gegen die Kindersitzpflicht, zu einer Nachschulung. Und bereits drei Verstöße bringen einen Führerscheinentzug mit sich", verdeutlicht Wiesinger die Konsequenzen. "In Deutschland bliebe ein Lenker in diesem Fall noch immer unbehelligt, weil erst eine höhere Punkteanzahl zu einer Maßnahme oder zu einer Entziehung der Fahrerlaubnis führt."

Zudem ist der deutsche Deliktskatalog länger und umfasste ursprünglich auch viele Verwaltungsdelikte, wie etwa das Fahren ohne "Pickerl". Bei der letzten Reform wurde der Deliktskatalog deutlich ausgemistet und auch die Punkteanzahl, die zu einer Strafe führt, wurde von 18 auf acht reduziert. "Man kann also sagen, dass Deutschland sein Punktesystem tendenziell in Richtung unseres Vormerksystems weiterentwickelt hat", erläutert der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. "Denn es macht mehr Sinn, schwarze Schafe möglichst schnell herauszufiltern und auf den 'Pfad der Tugend' zurückzuführen, als lange in einem Punktesystem zu 'verwalten'."

Im Übrigen hat Österreich bei besonders gefährlichen Verstößen gegen die StVO, wie etwa erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitungen oder gefährlichem Überholen bei nicht ausreichender Sicht, ein noch viel wirksameres System, nämlich den sofortigen Führerscheinentzug.

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