Eine ordentliche Ausbildung ist Grundvoraussetzung zur Bekämpfung des Ärztemangels

Warum ist dann die Lehrpraxisfinanzierung immer noch nicht gesichert?

St. Pölten (OTS) - „Wenn wir es nicht bald schaffen, den Jungärzten eine Perspektive zu geben, dann wird unser Gesundheitssystem bald nicht mehr über genügend Arbeitskräfte verfügen“, so MR Dr. Herbert Machacek, Abgeordneter im Landtag (BürgerLandtag) und Allgemeinmediziner. Dieser drohende Ärztemangel lässt sich bereits ganz klar erkennen, vor allem die Allgemeinmedizin ist ein Sorgenkind. „Für viele Kassenstellen finden sich keine Bewerber mehr. Mittlerweile nicht mehr nur in ländlichen Gegenden, sondern auch Stellen in Städten lassen sich immer schwieriger besetzen“, so Dr. Machacek.

Die Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn (BürgerLandtag) -ebenfalls Allgemeinmedizinerin – verweist in dieser Angelegenheit zum wiederholten Mal auf die Lehrpraxis, die für eine vernünftige Ausbildung unverzichtbar und in der neuen Ausbildungsordnung verpflichtend enthalten ist. „Wer als Hausarzt arbeiten möchte, der sollte ein mindestens halbjähriges Lehrpraktikum in einer Ordination absolvieren“, meint Dr. Von Gimborn. „Denn viele lassen sich von der Tätigkeit als Hausarzt abhalten, weil die Lehrpraxis de facto fehlt.“

Wer ist zuständig, das Lehrpraxensystem mit Leben zu füllen?

In ganz Österreich gibt es bereits seit langem unzählige Lehrpraxen, von denen jedoch die wenigsten mit Lehrpraktikanten besetzt sind. „Alleine in Niederösterreich waren es bisher knapp 200 Stück.“ Der Grund ist aus Sicht von Dr. Machacek klar: „Die Finanzierung ist seltsamerweise bis heute nicht zufriedenstellend geklärt.“ In dieser Angelegenheit gehen die Meinungen über die Zuständigkeit nämlich weit auseinander und daher bewegt sich bis dato nichts.

„Rechtlich gesehen liegt der Zuständigkeitsbereich für die so genannte „postpromotionelle Ausbildung“ - also für den praktischen Ausbildungsteil nach dem Studium - aus meiner Sicht derzeit eindeutig bei den Spitälern, also in Niederösterreich beim Land“, erläutert Dr. Von Gimborn. „Es wäre einmal an der Zeit, dass sich das Gesundheitsministerium dieser wichtigen Thematik annimmt und das ganz klar und verbindlich regelt.“

Wichtiges Signal an die Jungärzte

„In Bezug auf die Wichtigkeit dieses Themas sollten wir uns jedoch alle in die Thematik einbringen. Die Länder, die Bundespolitik, die Krankenkassen und auch die Ärzteschaft,“ ist Dr. Von Gimborn überzeugt. „Und daher müssen wir auch ein gemeinsames Finanzierungsmodell anbieten und nicht nur jeweils beim Anderen die Zuständigkeit vermuten. Wir müssen den Jungärzten auch signalisieren, dass wir sie als Gesellschaft dringend brauchen.“

„Ein Lehrpraktikant kostet entsprechend dem Tarifvertrag etwa 20.000 Euro pro Halbjahr, inklusive Lohnnebenkosten. In Niederösterreich werden in der Zukunft im Schnitt etwa 40 neue Allgemeinmediziner jährlich gebraucht. Das entspricht einem Kostenvolumen von etwa 800.000 Euro pro Jahr“, rechnet Dr. Machacek vor. „Diesen Betrag sollten sich das Land, der Bund und die Sozialversicherungen aufteilen. Nachdem die Landesgesundheitsreferenten beschlossen haben, ein Drittel zu übernehmen, sollte das doch alles kein Problem sein. Ich bin auch sicher, dass die Ärzteschaft sehr gerne ihren Beitrag zur Lehrpraxis leistet, in dem sie die entsprechenden vorgeschriebenen Seminare besucht und kostenlos die Ärzte in ihren Lehrpraxen ausbildet.“

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