- 13.09.2016, 09:00:01
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Internationale Konjunktur weiterhin schwach
Wien (OTS) - In den Schwellenländern hält die Wachstumsschwäche an,
und auch in den USA expandierte die Wirtschaft im 1. Halbjahr 2016
verlangsamt. In der EU flachte die Entwicklung zwar nach dem
schwungvollen Jahresbeginn ab, blieb jedoch auf Wachstumskurs. Das
Brexit-Votum in Großbritannien verunsicherte kurzfristig die
Finanzmärkte und die Unternehmen. In Österreich belastet die
internationale Konjunkturschwäche nach wie vor die Exportwirtschaft,
aber kräftige Wachstumsimpulse kommen weiterhin von der Ausweitung
der Binnennachfrage.
In den USA wuchs die Wirtschaft in den letzten drei Quartalen
schwächer als in der EU. Vor allem der Rückgang der
Investitionsnachfrage belastet die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
Die Unternehmensumfragen deuten nicht auf eine Beschleunigung der
Entwicklung in naher Zukunft hin. Auch in den Schwellenländern ist
die Konjunktur nach wie vor schwach, vorlaufende Indikatoren deuten
allerdings auf eine Besserung in den kommenden Monaten hin.
Das Votum der britischen Bevölkerung gegen einen weiteren Verbleib
in der EU von Ende Juni 2016 belastete die Unternehmensstimmung in
Großbritannien, während es die Zuversicht im Euro-Raum insgesamt kaum
dämpfte. Selbst die Abwertung des britischen Pfundes gegenüber dem
Euro hatte keine signifikante Trübung der Einschätzungen zur Folge.
Lediglich in Deutschland gab der ifo-Index nach einem Rückgang im
Juli im August nochmals deutlich nach. Dort dürfte sich nach einem
überaus kräftigen Wachstum zu Jahresbeginn und einer Verlangsamung im
II. Quartal die Konjunktur in der Folge weiter abkühlen.
Erwartungsgemäß fiel das Wirtschaftswachstum in Österreich im II.
Quartal schwächer aus als im I. Quartal 2016. Während die
Binnennachfrage weiterhin die Konjunktur stützte, belastete der
Außenbeitrag das Ergebnis. Die Konjunkturumfragen wie auch der
WIFO-Frühindikator deuten jedoch auf eine leichte weitere
Verbesserung der Dynamik in den kommenden Monaten hin. Die
Beschäftigung wuchs im Vorjahresvergleich noch, die saisonbereinigten
Daten zeigen aber keine weitere Zunahme gegenüber den Vormonaten.
Auch die Zahl der Arbeitslosen stagnierte weiter. Die
Arbeitslosenquote verharrte im August auf ihrem Vorjahresniveau und
entsprach auch saisonbereinigt weitgehend dem Wert des Vormonats.
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden über 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2015)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen mit aufrechtem Dienstverhältnis,
die Kinderbetreuungsgeld beziehen bzw. Präsenzdienst leisten. Zieht
man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv
Beschäftigten".
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