„kreuz und quer“ am 13. September: „Ich träume auf Deutsch – Wie Integration gelingen kann“

Danach Diskussion zum Thema „Burkaverbot? Kleider machen Sitten“

Wien (OTS) - Wenn fremdsprachige Zuwanderer beginnen, auf Deutsch zu träumen, dann ist das wohl ein deutliches Zeichen, dass die Integration in unsere Gesellschaft gelungen ist. Doch wie wird Integration erst möglich? Der Film „Ich träume auf Deutsch“ von Martin Betz, den „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – am Dienstag, dem 13. September 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, begibt sich auf Spurensuche nach Wien, Tirol und Schweden und untersucht Fälle von gelungener und weniger gelungener Integration – und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind. Um 23.20 Uhr folgt eine „kreuz und quer“-Diskussion zum Thema „Burkaverbot? Kleider machen Sitten“.

„Ich träume auf Deutsch – Wie Integration gelingen kann“ – Ein Film von Martin Betz

In Telfs in Tirol, wo durch den Zuzug von Gastarbeitern für die Textilindustrie in den 1960ern und 70ern fast ein Viertel der Bevölkerung türkischstämmig wurde, wirkt das Zusammenleben heute harmonisch, wenn auch die Ausbildung von Parallelgesellschaften nicht zu übersehen ist. „Bei uns ist alles getrennt, da wohnen die Österreicher, da die Türken“, sagt Ahmet Demirci, der zur zweiten Generation der Zuwanderer gehört und diese Trennung auch auf sprachliche Barrieren zurückführt. Das Zauberwort für Integration ist Bildung – und so wird heute in Telfs schon früh im Kindergarten begonnen, Sprachunterstützung mit Einbindung der Eltern anzubieten.

Für Flüchtlinge ist gerade Bildung ein schwer zu erlangendes Gut. Da gesetzlich keine Deutschkurs-Verpflichtung für Asylwerber besteht, ist unter anderem die Zivilgesellschaft gefordert, jungen Menschen Deutschkurse anzubieten. So auch dem jungen Afghanen Rafi Rauzawi, der sich seit Jahren auf ein Studium vorbereitet und bei der Wohnungssuche in Tirol auf unüberwindliche Probleme stößt – von Diskriminierung bis zu horrenden Mietpreisen. „Wir steuern auf eine neue Wohnungsnot zu“, sagt der Integrationsexperte Heinz Fassmann, der dies als eine der dringlichsten Problemlösungen für die Politik sieht.

Nicht weniger prekär ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt: Der Migrationsforscher August Gächter stellt fest, dass von den Flüchtlingen, die zwischen 2009 und 2014 nach Österreich gekommen sind, nur zwölf Prozent erwerbstätig sind. Fünf bis zehn Jahre dauert es, bis Zugewanderte durchschnittlich in Beschäftigung kommen. Ramin Nouri hat es trotzdem geschafft – vor sieben Jahren aus Afghanistan geflüchtet, arbeitet er heute als Elektromonteur mit abgeschlossener Lehre. Seine Frau Nigina, die für ein Online-Jobportal arbeitet, attestiert den österreichischen Unternehmen zu große Vorbehalte gegenüber ausländischen Arbeitskräften.

„Ich träume auf Deutsch“ zeigt auch weitere Fälle gelungener Integration: etwa Damir Hamidovic, der als obdachloser Bosnien-Flüchtling 1992 nach Klosterneuburg gekommen ist und dort schließlich zur Basketball-Legende wurde. Oder der Verein „Nachbarinnen“, wo somalische Frauen einander österreichische Werte vermitteln. Ein Exkurs nach Schweden zeigt, dass ein liberaleres Arbeitsrecht für Asylwerber die Möglichkeit bietet, der „Integrationsfalle“ Untätigkeit zu entgehen.

Den Vorbehalten gegenüber „integrationsfeindlichen“ Muslimen in Österreich begegnet der islamische Theologe Zekirija Sejdini mit einer zu beobachtenden klaren Entwicklung hin zu einem europäischen Islam, der Staat und Religion zu trennen weiß. Eine Schlüsselrolle kommt dabei in Österreich den islamischen Religionspädagogen zu. Letztlich baut aber das Prinzip Integration auf den Errungenschaften der Menschenrechte auf: die Würde des Menschen, freie Meinung und Religionsausübung, demokratische säkulare Rechtstaatlichkeit, die Gleichstellung aller Menschen. Nur wer diese Grundwerte akzeptiert, aufseiten der Zuwanderer wie auch der Aufnahmegesellschaft, kann Integration erst möglich machen.

„kreuz und quer“-Diskussion zum Thema „Burkaverbot? Kleider machen Sitten“

Kann ein Stück Stoff die Identität einer Gesellschaft bedrohen? In einigen Ländern Europas wird das Verbot der Vollverschleierung von Frauen diskutiert, die von extremen Richtungen des Islam gefordert wird. Ein Beispiel dafür, dass immer öfter – kulturell oder religiös begründete – Wertvorstellungen und Lebensstile aufeinanderprallen. Was hält die pluralistische Gesellschaft noch zusammen? Wo muss Freiheit geschützt – und wo müssen ihr Grenzen gesetzt werden? Darüber diskutieren unter der Leitung von Michael Hofer:

Necla Kelek; Sozialwissenschafterin und Publizistin, Berlin
Amani Abuzahra; Philosophin, Wien
Herbert Kalb; Rechtswissenschaftler und -historiker, Kepler-Universität Linz
Georg Kohler; Philosoph, Universität Zürich

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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