Facts zur Gewerbeordnung: Österreich ist bei Zugängen zum Unternehmertum bereits liberaler als Deutschland

Serie zu mehr Transparenz in der Gewerbeordnung

Wien (OTS) - Viele glauben, dass in Österreich nur ein Meister eines der 80 reglementierten Gewerbe ausüben darf. Das ist nicht richtig. Faktum ist, dass die Gewerbeordnung bei den reglementierten Gewerben eine konkrete Mindestqualifikation des Unternehmers voraussetzt. Mindestqualifikation heißt jedoch nicht automatisch Meisterprüfung:
Es ist zulässig, dass ein Gründer der Gewerbebehörde nachweist, dass er die Tätigkeit kann (ohne dass er eine Prüfung abgelegt hat oder eine diesbezügliche Schulausbildung abgeschlossen hat). Das nennt man „Individuelle Befähigung“. Andere Möglichkeiten zum Gewerbezugang sind Kombinationen von Schulausbildung + Praxiszeiten oder nur Praxiszeiten. Mit anderen Worten: für die Gewerbeordnung ist nur entscheidend, ob der Gründer die Tätigkeit tatsächlich kann, nicht zwingend eine Prüfung als solche.

Beispiel: Ein Gründer zeigt in einer Arbeitsprobe (z.B. Teil einer Kommode), dass er die Fertigkeiten und Kenntnisse des Tischlerhandwerks aufweist. Die Bezirkshauptmannschaft als Gewerbebehörde erteilt ihm daraufhin die „Individuelle Befähigung“. Er darf sofort das Tischlerhandwerk ausüben.

Zum Vergleich: In Deutschland zählt das Tischlerhandwerk zu den reglementierten Gewerben. Das Lösen eines Gewerbescheins ist ausschließlich Meistern bzw Altgesellen vorbehalten. Eine „Individuelle Befähigung“ gibt es in Deutschland nicht.

Deshalb: Reform der Gewerbeordnung mit Augenmaß! (PWK627/us)

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