Mit Schulbeginn: Nicht auf ärztliche Augenuntersuchungen vergessen

Lernschwächen sind oft Folge einer kindlicher Fehlsichtigkeit - Gute Zusammenarbeit aller relevanten Berufsgruppen notwendig

Wien (OTS) - Auf die Bedeutung des frühen Erkennens von Sehschwächen bei Kindern weisen führende Augenärzte Österreichs hin. Denn oft stünden plötzlich auftretende Lernschwächen in einem direkten Zusammenhang mit kindlicher Fehlsichtigkeit. ****

Mit dem neuen Schuljahr beginnt wieder eine für Eltern und Kinder gleichsam anstrengende Zeit. Wenn die schulischen Leistungen nachlassen oder Kinder die Lerninhalte verzögert erfassen, denken Eltern und Lehrkräfte meist nicht an Sehprobleme, denn die von Schulkindern geschilderten Symptome sind vielfältig.

Entscheidend zu wissen ist für Eltern, dass die Abklärung von körperlichen Symptomen und Lernschwierigkeiten oft nicht so einfach ist und mehrere Berufsgruppen erfordert. Beruhigend ist auf der anderen Seite wiederum, dass sich die meisten Probleme gut lösen lassen und keine Dauerfolgen zu befürchten sind.

„Grundsätzlich sollte man wissen, dass Kinder ihr eingeschränktes Sehvermögen nicht unbedingt als solches erkennen und angeben. Kinder, die in der Schule die Buchstaben an der Tafel schlecht wahrnehmen, klagen zuhause mitunter über ganz andere Symptome, etwa Kopf- oder Bauchschmerzen“, weiß Helga Azem, Vorsitzende der Fachgruppe Augenheilkunde und Optometrie der Ärztekammer für Wien, aus ihrer langjährigen Erfahrung zu berichten. Speziell bei einer Legasthenie sollten primär ärztlich abgeklärt werden, ob zusätzlich auch ein Sehfehler vorliegt.

Bei der augenärztlichen Routinekontrolle können beginnende Kurzsichtigkeiten oder andere Einschränkungen diagnostiziert werden. Die Eltern sollten von sich aus über ihre Beobachtungen berichten, da nur bei genauer Aufarbeitung der Beschwerden auch die entsprechende weiterführende Diagnostik erfolgen kann.

Um die Kinder optimal zu betreuen, ist eine gute Zusammenarbeit aller relevanten Berufsgruppen notwendig. Oft spielt der Schularzt eine Schlüsselrolle, der bei der jährlichen Reihenuntersuchung Sehschwächen entdecken kann. Bei Auftreten von Kopfschmerzen kann der Augenarzt auch einen Neurologen oder Pädiater hinzuziehen. Im Fall von Teilleistungsstörungen oder Lernverzögerungen sind klinische Psychologen gefordert. Und bei Problemen der Zusammenarbeit der Augen oder Schielen ist die Berufsgruppe der Orthoptisten gefragt.

Hintergrund der genauen Untersuchung ist, dass bei Kindern mit Lernstörungen oft auch kleine Sehfehler, die bei gesunden Kindern keine Probleme machen, die Lese- oder Rechenarbeit zusätzlich erschweren und man den Kindern mit geeigneten Brillen entscheidend das Leben erleichtern kann. Azem: „Wenngleich die Teilleistungsstörung keine augenärztliche, sondern eine psychologische Diagnose ist, so erzielt man dennoch mit entsprechenden Brillen manchmal eine Verbesserung der Beschwerden.“ Im konkreten Fall könnten dies etwa spezielle Prismenbrillen sein, die die Zusammenarbeit der Augen verbessern, oder auch Lesebrillen, die das Lesen durch eine verbesserte Naheinstellungsmöglichkeit erleichtern können.

Nicht sinnvoll ist es jedenfalls, insbesondere Prismenbrillen bei Kindern mit Lernschwierigkeiten ohne augenärztliche Verordnung und nur durch Untersuchung beim Optiker oder Optometristen unkritisch hinzunehmen. So könne zum Beispiel ein harmloses latentes Schielen, das immerhin knapp 90 Prozent aller Menschen haben, mit einer Prismenbrille in ein echtes Schielen übergeführt werden, warnt Azem. (hpp)

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