• 06.09.2016, 16:47:30
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Fast 50 Millionen Kinder sind entwurzelt

Erster globaler UNICEF-Bericht zu Flucht und Migration von Kindern

Utl.: Erster globaler UNICEF-Bericht zu Flucht und Migration von
Kindern =

New York/Wien (OTS) - Fast 50 Millionen Kinder und Jugendliche
weltweit sind in Folge von Flucht und Migration entwurzelt – mehr als
die Hälfte von ihnen (28 Millionen) wurden durch Konflikte aus ihrem
Zuhause vertrieben. Millionen weitere Mädchen und Buben haben ihre
Heimat auf der Suche nach einem besseren und sichereren Leben
verlassen. Diese Zahlen hat UNICEF heute im Report „Uprooted“
veröffentlicht, der erstmals alle verfügbaren Informationen über die
globale Situation in Hinblick auf Kinder zusammenträgt. Vor den
beiden Weltgipfeln zu Flucht und Migration am 19. und 20. September
bei den Vereinten Nationen in New York fordert UNICEF die Regierungen
auf, die elementaren Rechte der betroffenen Mädchen und Buben stärker
zu beachten.

Die Kinder und Jugendlichen, die oft traumatischen Situationen von
Konflikt und Gewalt entkommen sind, sind auf der Flucht großen
Risiken ausgesetzt: der Gefahr, bei der Bootsüberfahrt zu ertrinken,
an Hunger und Durst zu sterben und Opfer von Menschenhandel,
Kidnapping, Vergewaltigung oder Mord zu werden. In den Transit- und
Zielländern begegnet ihnen oft Fremdenfeindlichkeit und
Diskriminierung. Trotzdem ist die Not der Familien in ihren
Herkunftsländern häufig so groß, dass ihnen keine andere Wahl bleibt,
als diese Gefahren in Kauf zu nehmen.

„Unauslöschliche Bilder von einzelnen Kindern – wie das Foto des
ertrunkenen Jungen Aylan Kurdi, der am Strand angespült wurde, oder
das erschütterte und blutverschmierte Gesicht von Omran Daqneesh im
Krankenwagen nach der Zerstörung seines Hauses – haben die Welt
schockiert“, sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. „Aber jedes
Bild eines Mädchens oder eines Buben steht für Millionen von Kindern
in Gefahr. Das erfordert sowohl unser Mitgefühl für jedes einzelne
Kind, das wir sehen, als auch unser Handeln für alle Kinder.“

Die wichtigsten Fakten zu Flucht und Migration von Kindern:

• Kinder sind von Flucht besonders betroffen: Die unter 18-Jährigen
stellen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung, aber die Hälfte der
Flüchtlinge dar. Rund 45 Prozent aller Flüchtlingskinder unter dem
Mandat des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) kamen 2015 aus Syrien
und Afghanistan.

• 28 Millionen Kinder sind vor Gewalt und Konflikt auf der Flucht.
Dazu gehören zehn Millionen geflüchtete Kinder, eine Million Mädchen
und Buben in Asylverfahren und schätzungsweise 17 Millionen Kinder
und Jugendliche, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind
(Binnenvertriebene).
• Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen ihre Heimat allein,
ohne den Schutz der Eltern. 2015 haben über 100.000 sogenannte
unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in 78 Ländern Asyl beantragt –
das sind dreimal so viele wie 2014. Unbegleitete Flüchtlingskinder
sind besonders von Ausbeutung und Missbrauch bedroht.

• Rund 20 Millionen Kinder haben aus unterschiedlichen Gründen ihr
Heimatland als Migranten und Migrantinnen verlassen, beispielsweise
um extremer Armut oder gewalttätigen Gangs zu entkommen. Viele von
ihnen können leicht Opfer von Missbrauch oder eingesperrt werden,
weil ihnen Papiere fehlen, sie einen unsicheren Rechtsstatus haben
und ihr Wohlergehen nicht systematisch beachtet und erfasst wird.
Kinder fallen häufig durch alle Raster.

Während die Türkei weltweit die größte Zahl an Flüchtlingen
aufgenommen hat, beherbergt der Libanon die meisten Flüchtlinge pro
Einwohner. Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft haben hingegen die
Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Pakistan die meisten
Flüchtlinge zu versorgen.
In dem Bericht „Uprooted“ setzt sich UNICEF für sichere und legale
Zuzugsmöglichkeiten ein. Migration kann sowohl für die Kinder als
auch für die Gesellschaften, in die sie zuwandern, große Chancen
bieten. Einer Analyse zufolge zahlen Migranten und Migrantinnen in
Ländern mit hohen Einkommen mehr Steuern und Sozialleistungen, als
sie erhalten, füllen Lücken im Arbeitsmarkt und tragen zu
Wirtschaftswachstum und Innovationen bei.

Fehlende Bildungschancen sind für viele Kinder und ihre Familien
einer der Hauptgründe, ihre Heimat zu verlassen. Jedoch ist für
Flüchtlingskinder die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht in die
Schule gehen, fünfmal so groß wie bei anderen Kindern. Wenn sie
überhaupt zur Schule gehen können, leiden sie häufig unter
Diskriminierung, unfairer Behandlung und Mobbing.

„Welchen Preis werden wir alle dafür zahlen, wenn es uns nicht
gelingt, diesen jungen Menschen die Chance auf Bildung und eine
normalere Kindheit zu geben? Wie sollen sie dann in der Lage sein,
einen positiven gesellschaftlichen Beitrag zu leisten?“, sagt
UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake.

Sechs Forderungen von UNICEF an die Regierungen:

• Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder,
müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.

• Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss
aufhören.

• Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu
schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.

• Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung
und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.

• Fluchtursachen müssen bekämpft werden.

• In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen
Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert
werden.

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