TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 06.09.2016, Leitartikel von Michael Sprenger: "Im Vorwahlkampf-Modus"

Innsbruck (OTS) - Peter McDonald war Reinhold Mitterlehners Wunschkandidat für die Parteizentrale. Dass nun Mitterlehners Mann nach nur zehn Monaten als Generalsekretär seinen Rücktritt erklärte bzw. seinen Rücktritt erklären musste, kann in mehrerlei Hinsicht interpretiert werden. Aber keine der Interpretationen ist dafür geeignet, aus diesem Wechsel im ÖVP-Parteimanagement eine Stabilität für die Bundesregierung abzulesen.
Werner Amon, der neue ÖVP-Generalsekretär, ist geradezu der Gegenentwurf zu McDonald. Amon ist Steirer, ist seit Jahren tief verankert in der Partei, hat im ÖAAB seine politische Heimat. McDonald war vor zehn Monaten selbst innerhalb der ÖVP vielen ein unbeschriebenes Blatt. Er ist Wirtschaftsbündler und Oberösterreicher. McDonald ist vom Typ her ein ruhiges Wesen, kein Aufwachtler. Amon hingegen kann auch einmal laut werden, er geht dem Konflikt nicht aus dem Weg, sucht ihn geradezu. Amon redete im kleinen Kreis schon gerne einmal abschätzig über „die Sozialisten“, McDonald wollte ohne Verbalattacken sein Amt ausüben.
Kurzum: Mit Werner Amon wird es ruppiger. Zwischen den Koalitionsparteien sowieso, aber auch innerhalb der ÖVP. Denn Amon wird künftig auch versuchen, die Bundesländer und die Bünde anzutreiben. Einen Wahlkampf wie zuletzt bei der Bundespräsidentenwahl wird es mit Amon nicht geben. Dafür brennt er viel zu viel für den Erfolg, ist ehrgeizig.
Mit Amon in der Parteizentrale beginnt der Vorwahlkampf. Seine Aufgabe wird es sein, die Partei fit zu machen für die kommende Nationalratswahl. Amon ist keiner, der mit Glacéhandschuhen arbeitet und auf Befindlichkeiten Rücksicht nimmt. Es ist keine kühne Vorhersage, dass Amon keiner ist, der für eine Klimaverbesserung innerhalb der Koalition sorgen wird.
Und was bedeutet dies alles für die Zukunft von Mitterlehner als ÖVP-Obmann? Da hat sich gegenüber der Vorwoche wenig geändert. Wahrscheinlich wird die Obmanndebatte jetzt einmal verebben. Mitterlehner lobt Amon als Vollprofi. Er selbst will sich auf die Herbstarbeit in der Regierung konzentrieren. Doch niemand in der Partei will darauf wetten, dass Mitterlehner als Spitzenkandidat die ÖVP in die nächsten Wahlen führen wird. Sobald in ihm die Gewissheit reift, dass seine Funktion nur mehr die eines Platzhalters für Außenminister Sebastian Kurz ist, dann ist Mitterlehner auch zuzutrauen, von sich aus Adieu zu sagen – und alles hinzuschmeißen.

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