Wiener Tierschutzverein: Vorteile durch TTIP – ein böser Trugschluss

WTV-Präsidentin begrüßt Abkehr von TTIP und mahnt Wirtschaft zu mehr Wachsamkeit. „Umfassende volkswirtschaftliche Überlegungen wurden im Falle von TTIP nicht angestellt“.

Vösendorf (OTS) - Ein schrankenloser Freihandel würde auch den Tierschutz hart treffen: Tierschutz-Standards, landwirtschaftliche Nutztierhaltung, tierische Lebensmittel und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sind durch Freihandelsabkommen wie TTIP und die kleine Schwester CETA akut bedroht. Daher begrüßt auch der Wiener Tierschutzverein (WTV) die Abkehr von TTIP und den geplanten Verhandlungsstopp der Bundesregierung und rät den Vertretern von Industrie und Gewerbe, sich nicht mit falschen Milchmännchen-Rechnungen ins Out zu stellen. Denn: „Tierschutz und eine bedingungslose Ankurbelung des Welthandels auch mit landwirtschaftlichen und tierischen Produkten sind unvereinbar“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

An sich spreche zwar nichts gegen eine möglichst weltweite Angleichung technisch-industrieller Normen. Doch: „Darum ist es den USA offenbar nie gegangen. Denn der Deal, der vor allem hinter den Kulissen sehr offen bereits paktiert war, lautete: Preisgabe der heimischen Landwirtschaft gegen weitere Öffnung der US-Märkte für Industriewaren „made in Europe“. Das Argument: Moderne Industriestaaten beziehungsweise die internationalen Food-Giganten kaufen ihre Nahrungsmittel dort, wo es am billigsten ist. Die Produktion in gebirgigen Ländern mit einer kleinstrukturierten Landwirtschaft ist allemal teurer als in den riesigen US-Agrarfabriken und wenn man den Leuten signalisiert, dass das Chlorhuhn oder gentechnisch manipuliertes Futter weiterhin nicht importiert werden, dann mögen sich doch alle über die immer billigeren Nahrungsmittel freuen“, so Petrovic.

Tier- und Artenschutz in die Wirtschaft

Diese Überlegung sei allerdings ein böser Trugschluss. „So wie weltweit grundsätzlich bereits Dumping-Produkte, die durch Sklaven-Arbeit, unbezahlte Gefängnis-Arbeit, durch unzulässige Subventionen oder absurde Steuergeschenke - Stichwort Irland -hergestellt worden sind, nicht auf „Freihandel“ pochen können, so müssen endlich auch die Wirtschaftsfaktoren Naturschutz, Tierschutz, Artenschutz und die demokratiepolitische Stabilität als Grundvoraussetzungen allen Wirtschaftens in die Rechnungen der Herren Industrievertreter einbezogen werden“, sagt die WTV-Präsidentin. Denn was nütze Österreich ein Plus im Export, wenn viele Landwirtinnen und Landwirte ihre Existenz verlieren und für den Rest ihrer Erwerbsphase chancenlos sind? Interessant sei auch die Frage, wie der Tourismus reagieren würde, wenn Almen, entlegene Höfe und schwieriges Gelände nicht mehr erhalten und kultiviert werden könnten. „Und welche Chancen haben hochpreisige, aber „preis-WERTE“ österreichische Fleisch-, Eier- oder Milchprodukte, wenn vor allem bei verarbeiteten Produkten im Convenience-Segment nur noch Tier-Dumping-Zutaten wie Ei- und Milchpulver dominieren werden?“, so Petrovic. Denn sollte TTIP tatsächlich in der geplanten Form umgesetzt werden, könnten nicht nur chemische Zusätze und Verfahren in der Lebensmittelproduktion, die aktuell in Österreich noch verboten sind (wie beispielsweise der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft), über unser Land hereinbrechen. „In sozialer Hinsicht geht es zudem um Fragen der Verteilung. Mehr Wachstum bedeutet eine noch größere Kluft zwischen den Super-Reichen und jenen, die nicht genug zu leben haben. Die Agro-Riesen, die Agro-Industrie, die Tierfabriken würden gewinnen, das Bauernsterben würde verstärkt und nicht gebremst“, so Petrovic.

Keine umfassenden Überlegungen

Zudem geht es für Petrovic nicht an, dass über Jahrzehnte mühsam errungene Fortschritte in Sachen Tierschutz, bis hin zur Verankerung des Tierschutzes in der österreichischen Verfassung 2013, durch hinter verschlossenen Türen beschlossene Geheimpakte der Industrie-Bosse und der US-Food-Giganten ausgehebelt würden. Tierschutz sei ein allgemeines Staatsziel und nicht etwa ein Refugium für ein paar Vereine wie den WTV oder eine kleine Nische von tierischen Lebensmitteln, bei deren Produktion das Tierwohl im Zentrum steht.

„Die Tragik besteht vor allem darin, dass keine umfassenden volkswirtschaftlichen Überlegungen angestellt wurden und die Milchmännchen-Rechnungen einiger Lobbyisten allzu lange die österreichische und europäische Politik manipulieren konnten. Es war nur die Zivilgesellschaft, Personen und Organisationen aus der Sozial- und Umweltpolitik und dem Tierschutz, die mit kritischen Fragen in Sachen TTIP und CETA wachgerüttelt haben. Und wir bleiben weiter wachsam“, so Petrovic abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. (FH) Oliver Bayer
Öffentlichkeitsarbeit

Wiener Tierschutzverein
Triester Straße 8, 2331 Vösendorf

Mobil: 0699/ 16 60 40 66 od. Telefon: 01/699 24 50 - 16
oliver.bayer@wiener-tierschutzverein.org
www.wiener-tierschutzverein.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WTV0001