Arbeiterkammer: Fakten statt Standort-Bashing

AK-Ökonom Markus Marterbauer ortet „selbstgeißelnde Stimmungsmache“

Alpbach (OTS) - Die Tradition der Sozialpartnerschaft ist, Fakten gemeinsam außer Streit zu stellen, um auf gesicherter Datenbasis Interessensunterschiede zivilisiert austragen zu können. Diese Vorgehensweise vermisst Markus Marterbauer, Leiter der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Arbeiterkammer Wien, in den aktuellen Debatten um den Wirtschaftsstandort Österreich. Die selbstgeißelnde Stimmungsmache würde zusammen mit fragwürdigen Wettbewerbsrankings zu einem regelrechten Standort-Bashing führen. „Das ist ziemlich gefährlich, denn eine schlechte Unternehmerstimmung kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden“, warnte Marterbauer am Mittwoch bei einer Diskussion im Rahmen der Alpbacher Wirtschaftsgespräche.

Für Marterbauer ist die Ausgangssituation auf Basis der Fakten so:
Einerseits belaste die seit 2008 anhaltende, weltweite Finanzkrise noch immer die heimische Wirtschaft durch schwaches Wachstum, enorme Kosten für die Bankenrettung und dadurch steigende Staatsschulden. Dazu kommen der starke Zuzug ausländischer Arbeitskräfte und für Österreich hohe Arbeitslosenquoten. Im Vergleich mit anderen EU-Ländern sei die wirtschaftliche Lage in Österreich aber recht gut. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag im Jahr 2015 mit 36.400 Euro um 27 Prozent über dem EU-Durchschnitt, zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 betrug der Vorsprung nur 23 Prozent. Auch andere Indikatoren, wie etwa die hohen Forschungsausgaben und die steigende Zahl der Erwerbstätigen bieten Anlass für Optimismus, so Marterbauer bei der Diskussion mit dem Titel: „Mythen und Fakten. Wie steht’s um Österreichs Wirtschafts- und Sozialsystem?“

Die Gründe, weshalb die Unternehmerstimmung in solch krassem Gegensatz zu den Fakten steht, sieht Marterbauer in einer „politischen Strategie“, um durch die einseitige Darstellung bei Lohnverhandlungen oder im Arbeitsrecht ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Zudem würden die an den Universitäten gelehrten Sätze des Neoliberalismus das Denken der Akademiker prägen. Marterbauer: „In Forschung, Redaktionen und Unternehmensleitungen kann man sich vielfach nicht mehr vorstellen, dass ein gut ausgebauter Sozialstaat, ein System kollektiver Lohnverhandlungen, ein hoher Anteil des öffentlichen Sektors oder hohe Standards im Umweltschutz den Wirtschaftsstandort stabilisieren und stärken.“ Durch Debatten, wie in Alpbach, soll es auch hier zu einer neuen Aufklärung kommen.

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