Neues Volksblatt: "Ansprüche" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 31. August 2016

Linz (OTS) - Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Und der Anspruch sollte auch ein Ansporn sein, um die Wirklichkeit zu verbessern. Wird aber der Anspruch zum Rechtsanspruch, wird die Sache komplizierter. Die neue rote Frauenlandesrätin will aber genau einen solchen bei der Kinderbetreuung einführen, also die Einklangbarkeit für den Platz in der Krabbelstube. Keine Frage: Die Kinderbetreuung gerade für die Kleinesten muss und wird auch ausgebaut — orientiert an dem Bedarf. Bei einem Rechtsanspruch können sich die Gemeinden allerdings nicht mehr am Bedarf orientieren, sondern müssten ja für jedes Kind einen Platz zur Verfügung stellen. Das Problem: Entweder sind die Krabbelstube und auch die Gemeindekasse halb leer, denn die Kosten fallen ja trotzdem an. Oder die Eltern werden mehr oder weniger sanft gezwungen, dieses staatliche Angebot anzunehmen. Beide Varianten haben Schönheitsfehler, die man vermeiden kann, wenn auf das „Recht“ beim Anspruch verzichtet. Auch die Bürgermeister ihrer eigenen Partei würden wohl ihrer Vorsitzenden dafür danken. Außerdem sollte die Frauenlandesrätin aufpassen, nicht in die feministische Klischee-Falle zu tappen. So wie nämlich die besonders breiten Frauen-Parkplätze ein Klischee verstärken, wird durch die Frauenlandesrätin suggeriert, es seien nur die Frauen für die Kinderbetreuung zuständig. Das wäre dann das endgültige Aus für „Halbe-Halbe“.

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