KAV-ÄrztInnen: Arbeitsniederlegungen den PatientInnen nicht zumutbar

Ärztekammerpräsident hat offenbar wenig Kenntnis von Spitalsbetrieb

Wien (OTS) - „So harmlos, wie Herr Szekeres es darstellt, werden die Folgen für die PatientInnen an einem streiktag nicht sein“, entgegnet Udo Janßen, Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbundes. „Es ist unvertretbar, wenn PatientInnen zu vereinbarten Terminen nicht drangenommen werden oder wenn Operationstermine verschoben werden müssen." Im Zuge von Ärztestreiks in Deutschland im Jahr 2006 kam es zu massiven Absagen von Operationen. Am Klinikum Braunschweig zum Beispiel gab es an einem normalen Tag knapp 100 Operationen, an einem Streiktag nur 18. Im Klinikum Essen kam es im ersten Halbjahr 2006 im Zuge der Streiks zur Absage von mehr als 2.000 Operationen, an der Uniklinik Heidelberg wurden rund 700 Operationen abgesagt.

Janßen: „Es zeugt von wenig Kenntnis des Spitalsbetriebs, wenn der Ärztekammerpräsident den Streiktag mit einem Feiertagsbetrieb vergleicht. Weder sind an Feiertagen Ambulanztermine vergeben noch sind Operationen angesetzt. Tausende PatientInnen werden nicht die Behandlung bekommen, die sie sich zu Recht erwarten. Wenn zum Beispiel ein krebskranker Patient aufgrund eines Streiktages nicht operiert wird zeigt sich sehr deutlich, dass der Streik als allererstes unsere Patientinnen und Patienten trifft.“

Auch Leitende ÄrztInnen haben für die Aktionen kein Verständnis: „Die flexibleren Arbeitszeiten bringen deutliche Vorteile hinsichtlich der für die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten angemessene Versorgung“, sagt Univ. Prof. Dr. Peter Franz, Vorstand der HNO-Abteilung an der Rudolfstiftung. „Die 12,5-Stunden-Diente leisten dazu einen wesentlichen Beitrag. Ein Streik ist das letzte, was man unseren Patientinnen und Patienten jetzt antun sollte.“

„Jede Veränderung erzeugt natürlich Angst, die einleiteten Schritte sind allerdings dringend nötig. Nur so können wir dafür sorgen, dass die Patientinnen und Patienten den ganzen Tag über – also auch am Nachmittag, sowohl in den Stationen, als auch in den Ambulanzen, gut versorgt werden“, sagt Dr. Margit Endler, Ärztliche Direktorin des Sozialmedizinischen Zentrums Süd. „Wartezeiten können in Akutspitälern nie völlig verhindert werden – dass die Ärztekammer das aber mit angeblich reduzierten Dienstposten begründet, ist ein großer Irrtum. Wartezeiten werden kürzer, wenn wir den Sprung von Halbtags-in Ganztagsbehandlung schaffen. Wenn die Ärztekammer den Betrieb nun mit Protestmaßnahmen stört, ist das zulasten der PatientInnen, das ist unverantwortlich.“

„Die ÄrztInnen bekommen mit dem neuen Modell flexiblere und daher wesentlich angenehmere Arbeitszeiten mit weniger Nachtdiensten“, sagt Dr. Klemens Rappersberger, Rudolfstiftung „Die Patientinnen bekommen längere Anwesenheiten von ÄrztInnen untertags und ausgeruhte Ärztinnen in der Nacht. Natürlich kann es in der Umstellungsphase Schwierigkeiten geben. Arbeitsniederlegung oder Druck auf ÄrztInnen, die sich für das neue Modell stark machen, sind kontraproduktiv, lösen keine Probleme aber ‚vergiften‘ das Betriebsklima in den Spitälern.“

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