e-Medikation: Pilotprojekt mit noch viele Baustellen

Zeitverzögerungen und mangelnde Funktionalität – Ärztekammer fordert Stopp zur Klärung der offenen Fragen

Wien (OTS) - Äußerst kritisch wird das e-Medikations-Pilotprojekt in der Region Deutschlandsberg von der Ärztekammer gesehen. Nach wie vor gebe es für die Ordinationsinhaber unangenehme Zeitverzögerungen. Die meisten Software-Hersteller schafften zudem die Einbindung der e-Medikation in die Ordinationssoftware nicht. Und auch die Kostenfrage sei nach wie vor ungeklärt, lautet die Kritik von Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. ****

An dem seit Mai dieses Jahres laufenden Pilotprojekt nehmen aktuell zwölf Ärztinnen und Ärzte teil. Und genau das macht Szekeres so große Sorgen: „Wenn es schon bei so wenigen Teilnehmern zu Zeitverzögerungen kommt, was passiert dann, wenn 8000 Kassenordinationen und eine Vielzahl an Wahlarztordinationen gleichzeitig damit arbeiten?“ Zwar hätten sich die anfänglichen Schwierigkeiten bei der Implementierung mittlerweile ein wenig verbessert (damaliger O-Ton: „Größte IT-Baustelle“). Doch die Kommunikation zwischen den Software-Firmen und der Betreibergesellschaft SVC funktioniere nach wie vor nicht wirklich, kritisiert Szekeres.

Funktionalität und Sicherheit des Systems seien nicht gewährleistet. Ärztinnen und Ärzte berichteten, dass die SVC die Software-Firmen meist im Dunklen tappen lasse, die Absprachen erfolgten überwiegend zwischen den Ärzten und den IT-Firmen, was die Administration in den Ordinationen noch weiter erschwere.

Für Szekeres ist die e-Medikation „an sich eine wirklich gute Idee“. Nur dürfe man nicht Gefahr laufen, ein noch nicht technisch ausgereiftes System aus Prestigegründen und ohne entsprechende Evaluierung mit Gewalt durchzupeitschen. „Das wird sonst ein Rohrkrepierer“, prophezeit er.

Keinesfalls dürfe man aufgrund der minimalen – und auch nicht einmal da zufriedenstellenden - Erfahrungen in zwölf Ordinationen ein System auf ganz Österreich ausrollen. Sein Vorschlag: „Die e-Medikation muss zurück in die ‚Werkstatt‘, eine ordentliche Finanzierung muss aufgestellt werden, und dann kann es, vielleicht in einem Jahr, einen Neustart geben.“ Unter diesen Voraussetzungen, also umfassende Evaluierung, volle Kostenabgeltung für die Ärzte und alles nur im Rahmen des Gesamtvertrags mit der Sozialversicherung, sei auch die Wiener Ärztekammer bereit, bei der e-Medikation aktiv mitzuarbeiten. (hpp)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer Wien
Dr. Hans-Peter Petutschnig
(++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001