Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 18. August 2016. Von MARCO WITTING. "Viel Luft nach oben".

Innsbruck (OTS) - Der Gesetzgeber muss auf die steigenden Zahlen von Drohnen reagieren und sich auf strikte Spielregeln einigen. An einer Registrierungspflicht führt kein Weg vorbei. Aus der Eigenverantwortung kann niemand entlassen werden.

Fluch und Segen des technischen Fortschritts: Auch bei den Drohnen wird das wieder deutlich sichtbar. Denn es gibt sie durchaus, die positiven und nützlichen Einsatzgebiete für die fliegenden Kameras. Etwa wenn es darum geht, unwegsames Gelände abzufliegen. Vielleicht in Zukunft sogar relativ einfach auch mit Wärmebildkameras. Auch gegen den Spaß, die Welt von oben zu betrachten, ist prinzipiell nichts einzuwenden. Doch es gibt sie eben auch, die Gefahren. Und einmal mehr stellt das Tempo des technischen Fortschritts jenes des Gesetzgebers vor eine enorme Herausforderung.
Anders als bei den Smartphones, bei denen es Jahre gedauert hat, um den ungezügelten Einsatz hinter dem Lenkrad unter Strafe zu stellen, hat man in Österreich auf die Drohnen schon vor zweieinhalb Jahren reagiert. Dass es deshalb bislang zu keinen Zwischenfällen gekommen ist, kann stimmen – ist aber nicht zwangsläufig und ursächlich auf das Gesetz zurückzuführen. Klar ist: Drohnen sind leicht und für relativ kleines Geld zu bekommen. Sie sind, unachtsam eingesetzt, durchaus eine Gefahr im Luftraum und wohl nicht jeder, um es wohlwollend auszudrücken, hält sich in diesem Bereich an die Gesetze, die noch dazu schwer exekutierbar sind. Auch der Vorfall in Kärnten mit einem Hubschrauber aus Osttirol hat das wieder gezeigt.
Auch hier fehlt vom Besitzer der Drohne, die einem Rettungshubschrauber im Einsatz gefährlich nahe kam, vorerst jede Spur. In der Zukunft braucht es deshalb mit Sicherheit eine ausgeweitete Registrierungs- und wohl auch Versicherungspflicht. Auch die Sichtbarkeit könnte technisch durch die Hersteller erhöht werden. Zudem fordert die Luftfahrtindustrie bereits ausgeweitete Verbotszonen in bestimmten Lufträumen. Das Fliegen über Menschenansammlungen ist ohnehin verboten. Dinge, die natürlich auch für eine gewerbliche Nutzung gelten müssen und europaweit geregelt gehören – allein für eine entsprechende Handhabe bei Internetkäufen. Hier ist die sonst reglementierungswütige EU nicht am Puls der Zeit. Noch etwas darf nicht vergessen werden: der Datenschutz. Über dem Grundstück des Nachbarn hat eine Filmkamera unter keinen Umständen etwas verloren. Bei allen gesetzlichen Möglichkeiten muss letztlich aber natürlich auch die Eigenverantwortung der Drohnenpiloten gelten. Fluch und Segen neuer Entwicklungen liegen letztlich nämlich immer in der Hand ihrer Nutzer.

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