Wrabetz und Grasl im ÖSTERREICH-Interview: Streit um Gebührenerhöhung

Wrabetz: "Grasl wie Elefant im Porzellanladen" - Grasl: "Wenn ORF strukturell spart, Gebührenerhöhung sicher unter 10 Prozent."

Wien (OTS) - Im Interview für die Sonntagsausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH sprechen sich beide Kandidaten für die Wahl des ORF-Generals am kommenden Dienstag gegen eine massive Gebührenerhöhung. Zuletzt war in einem internen ORF-Papier von 10,5 Prozent noch in diesem Jahr die Rede gewesen.

Sowohl ORF-General Alexander Wrabetz als auch sein Konkurrent, der bisherige ORF-Finanzchef Richard Grasl, distanzieren sich jetzt von diesem Plan. Wrabetz gegenüber ÖSTERREICH: "Diese Gebührenerhöhung hat Herr Grasl in sein Bewerbungspapier hineingeschrieben und damit zur Unzeit eine völlig unnötige Diskussion provoziert - wie ein Elefant im Porzellanladen ... Der ORF braucht derzeit keine Diskussion über eine Gebührenerhöhung – ich bin nicht bereit, darüber zu sprechen, solange sie nicht auf der Tagesordnung steht. Zuerst muss ein neuer Generaldirektor die Finanzpläne für die nächsten Jahre ausarbeiten, dann erst stellt sich die Gebührenfrage. Dabei muss man selbstverständlich auf die Belastung der Kunden Rücksicht nehmen. Ich stehe für einen sparsamen ORF, bei dem die Gebühren immer deutlich unter der Inflationsrate erhöht wurden, meist war es nicht einmal die Hälfte."

Seinem Mitbewerber rät Wrabetz, "nicht das Blaue vom Himmel zu versprechen". Wrabetz: "Vom Bundesländer-Spartenkanal bis zu einem Dutzend neuer Talkshows würde das Grasl-Konzept 30 bis 40 Millionen Euro mehr kosten und damit eine Gebührenerhöhung geradezu provozieren."

Richard Grasl kontert. Er wäre der sparsamere ORF-Generaldirektor. Auch er plane keine Erhöhung um 10 Prozent. Grasl zu ÖSTERREICH: "In der Finanzvorschau ist festgehalten, das die Inflationsrate seit der letzten Gebührenerhöhung 10,5 Prozent war, nicht dass das schon der Ansatz für eine Erhöhung wäre. Aber ich werde Dienstag im Stiftungsrat klar darlegen, dass mein Konzept mit den Strukturmaßnahmen bei Verwaltung und Technik als Ziel hat, dass die kommende Gebührenerhöhung deutlich geringer ausfallen kann ... Wenn es uns gelingt, strukturell zu sparen, wird die Gebührenerhöhung sicher geringer als 10 Prozent ... Wir werden das nach meiner Wahl sehr rasch neu kalkulieren, und vielleicht kann man allfällige Erhöhungen auch über die nächsten Jahre verteilen."

Der Kritik, seine Programmwünsche würden den ORF zu viel kosten, hält Grasl entgegen: "Mit diesem Vorwurf kann ich gut leben, denn es soll eine Programmoffensive geben - richtig ... Der ORF hat lange genug das Programmschema von Gerhard Zeiler aus dem Jahr 1995 gehabt - jetzt ist Aufbruch angesagt. Wenn wir die Struktur schlanker und moderner machen, ist das auch finanzierbar."

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