TITOLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 7. August 2016 von Florian Madl "Es muss nicht immer Kaviar sein"

Sie können Fußball, Samba und spätestens seit Freitagabend auch Olympia. Die Organisatoren der Sommerspiele 2016 in Rio setzten ihr Sparversprechen um.

Innsbruck (OTS) - Nur kurz schien es am Freitag, als könnte die Stimmung kippen. Ein Demonstrantenzug machte seinem Unmut über die Kosten der Olympischen Spiele unweit des Maracanã-Stadions Luft. Da war sie wieder, die Angst vor Gewalt, wie sie Europa zuletzt so oft erlebt hatte. Und das Gefühl, diese Sommerspiele in Rio würden nach der Schlussfeier in einem finanziellen Fiasko enden. Das könnte immer noch der Fall sein, aber die Sorge sank. Dazu trug der reibungslose Transport im Vorfeld der Eröffnungsfeier bei – die 6,5-Millionen-Stadt wird sich über die Investition einer Metro noch lange freuen. Und auch die kostengünstige Olympia-Party selbst bestärkte die Beobachter im Gefühl, dass Brasilien so manche Lektion aus der Vergangenheit gelernt haben könnte und nicht mit einer opulenten Show die Probleme des Landes zu kaschieren sucht. Die wurden nur zwischenzeitlich hörbar, etwa, als Interimspräsident Michel Temer seinen Auftritt hatte. Ein kurzer und von Pfiffen begleiteter, die Politik hat es dieser Tage in Brasilien schwer. Dafür mag sich Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, über unerwarteten Zuspruch gewundert haben. Seit seinem Zickzack-Dopingkurs in Sachen Russland keine Selbstverständlichkeit. Zehn Millionen Euro hatten die Veranstalter für ihre Eröffnungsfeier zur Verfügung. Viel auf den ersten Blick, aber wenig in Anbetracht der Summen von Peking 2008 (83 Mio. €) und London 2012 (34 Mio. €). Heraus kam ein sympathisch inszeniertes Potpourri aus brasilianischer Geschichte, Umweltsorgen und weltpolitischer Querverweise. Das alles verpackt in Tanz und starken Bildern, also das, was man sich von Südamerika bei den ersten Sommerspielen erwartet hatte. So soll es weitergehen. Bis zur Schlussfeier. Und hoffentlich auch danach.

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