Keine Schleichwerbung in Zweiradbeilage

Wien (OTS) - Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich mit der Beilage „Zweirad“, erschienen am 08.04.2016 in der Tageszeitung Kurier. Im Verfahren hat der Senat geprüft, ob Testberichte zu Motorrädern durch Inserateschaltungen von Unternehmen, die die getesteten Motorräder herstellen, beeinflusst worden sein könnten. Der Senat ist von keiner Einflussnahme ausgegangen und hat daher das Verfahren eingestellt.

Laut Medieninhaberin der Tageszeitung „Kurier“ seien die Verfasser der Testberichte langjährige und honorige Zweiradjournalisten, die detailliert recherchieren und unabhängig von der Anzeigenabteilung arbeiten. Die Zahl der in Österreich vertriebenen Motorradmarken sei überschaubar. Es sei naheliegend, dass genau diese Hersteller Inserate schalten; die Anzeigenabteilung akquiriere natürlich Anzeigen, die zum Thema passen.
Der Senat hält zunächst fest, dass die Tatsache, dass ein redaktioneller Beitrag und ein Inserat zu derselben Marke in einer Ausgabe erscheinen, für sich alleine genommen noch nicht gegen den Ehrenkodex verstößt.
In den Beiträgen gibt es durchaus Lob für die getesteten Motorräder, an manchen Stellen jedoch auch kritische Bemerkungen zu einzelnen Details und Eigenschaften, so der Senat weiter. Die Testberichte enthalten keine Formulierungen, die nur an Werbung erinnern. Nach Meinung des Senats werden die Leser über die Motorräder informiert. Innerhalb gewisser Grenzen kann redaktionellen Teil über ein Unternehmen auch positiv berichtet werden, selbst wenn dadurch ein gewisser Werbeeffekt erzielt wird.

Der Senat sieht hier eine entsprechende redaktionelle Aufarbeitung und auch die erforderliche journalistische Distanz. Es liegt weder eine Schleichwerbung noch eine Irreführung der Leser vor. Daher verstößt die Beilage nach Ansicht des Senats nicht gegen die Punkte 3 (Unterscheidbarkeit) und 4 (Einflussnahme) des Ehrenkodex.
Für die Zukunft empfiehlt der Senat jedoch, bei den Artikeln oder zumindest an einer gut sichtbaren Stelle der Beilage darauf hinzuweisen, dass die durchgeführten Tests auf Einladung der Hersteller und mit frei zur Verfügung gestellten Maschinen erfolgt sind.

Selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung eines Lesers bzw. aus eigener Wahrnehmung

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.
Im vorliegenden Fall führte der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers bzw. auf eigene Initiative ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung und aus eigener Wahrnehmung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der Tageszeitung „Kurier“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht.
Die Medieninhaberin der Tageszeitung „Kurier“ hat sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen.

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Dr. Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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