Branchenrisiken in Emerging Markets steigen weiter

Coface aktualisiert Bewertungen – Starke regionale Unterschiede

Paris / Wien (OTS) - Lateinamerika ist weiter die Region mit den höchsten Branchenrisiken weltweit. Dort sind die Sektoren Energie, Stahl und Bau in der höchsten Coface-Risikostufe „sehr hohes Risiko”. Der internationale Kreditversicherer hat seine Bewertungen von zwölf Branchen in sechs großen Regionen aktualisiert. Von sechs Herabstufungen erfolgten fünf in Emerging Markets. In Europa haben sich einige Branchen verbessert, darunter Automobil und Bau. Die Branche weltweit mit dem geringsten Risiko ist nach Ansicht von Coface derzeit Pharma.

Konsum beflügelt Branchen in Europa

Der Aufschwung in der privaten Konsumnachfrage in Westeuropa hat dazu geführt, dass sich die Informations- und Telekommunikationstechnologie und die Automobilbranche wieder in die Kategorie „niedriges Risiko“ verbessert haben. Dies gilt für West-sowie Zentral- und Osteuropa. Von den gestiegenen Zulassungszahlen neuer Autos profitieren auch Unternehmen des Metallsektors. Die Einstufung in „hohes Risiko“ bedeutet eine Verbesserung des Sektors, dessen Umsatz zu zwölf Prozent von der Automobilindustrie und 50 Prozent vom Bau getragen wird. Die zu Beginn des Jahres erkennbare leichte Erholung am Bau hat sich bestätigt. Das und die gestiegenen Baugenehmigungen (+35 Prozent in Spanien, +12,5 Prozent in Deutschland, +7,6 Prozent in Frankreich, jeweils im Jahresvergleich zum März) führten zur Verbesserung der Branche in „mittleres Risiko“. Vom positiven Trend durch konsumfreudige Verbraucher profitiert dagegen der Textilsektor nur bedingt, da der harte Wettbewerb entgegenwirkt.

Drei Branchen stehen in Großbritannien unter Beobachtung. Sie könnten unter der bevorstehenden Trennung von der EU leiden. Kurzfristig könnte der Bau, der 6,1 Prozent des BIP erwirtschaftet, durch steigende Importpreise aufgrund des billigeren Pfund ausgebremst werden. Pharmazie und Automobil fürchten Handelsbarrieren, da ihre Produkte zu den wichtigsten Exportwaren zählen. Pharma hat einen Anteil von 7,8 Prozent an den Exporten, Automobil 11,3 Prozent.

Verschiebung zwischen Emerging Markets und Industrieländern

Lateinamerika ist weiter die Region mit den höchsten Risiken weltweit. Dort sind die Sektoren Energie, Stahl und Bau in der höchsten Coface-Risikostufe: „sehr hohes Risiko”. Auf der positiven Seite zu sehen ist die Zellstoff- und Papierproduktion in Brasilien. Hier wirkt sich, wie in anderen lateinamerikanischen Ländern auch, die gegenüber dem US-Dollar verbilligte Landeswährung aus. Das Risiko für die Papier- und Holz-Branche reduzierte Coface wieder in „durchschnittliches Risiko“.

Unter den zwölf von Coface untersuchten Sektoren ist der Gesundheitsbereich global betrachtet am wenigsten riskant. Trotz des herausfordernden internationalen Umfelds profitiert die Branche von einer steigenden Nachfrage aus den Emerging Markets und den weitgehend stabilen Erstattungen in den entwickelten Ländern. Dies ermuntert Unternehmen zu investieren. Auch wegen der hohen Profite in Nordamerika hat Coface den Pharma-Sektor in „sehr niedriges Risiko“ eingestuft. Allerdings verliert das Wachstum derzeit in den USA insgesamt an Schwung. Die Einzelhandelsumsätze sinken aufgrund der gedämpften Nachfrage. Der Textilsektor in Nordamerika, der auch von dieser Verlangsamung betroffen ist, wurde in „hohes Risiko“ heruntergestuft.

Ölabhängige Regionen leiden unter globalem Trend

Im weitgehend ölabhängigen Nahen und Mittleren Osten haben Staaten Sparmaßnahmen ergriffen, die sich allerdings nachteilig auf andere Branchen auswirken. Die Sparpolitik, zum Beispiel die geringeren Subventionen für Sprit, bremst die Nachfrage der privaten Haushalte aus. Coface hat die Branchen Automobil, Lebensmittel, Einzelhandel sowie Textil- und Bekleidung in „hohes Risiko“ herabgestuft.

Auch in Emerging Markets in Asien ist eine Politik mit weniger staatlichen Investitionen erkennbar. Dies trifft vor allem den Baubereich. Viele Bauunternehmen sind hoch verschuldet, weil Auftraggeber die Zahlungen immer mehr verzögern. Die Branche wurde daher in „sehr hohes Risiko“ herabgestuft. Besser geht es der Agro-Lebensmittel-Branche. Sie wächst auch wegen der derzeit steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe.

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