ELGA: ÖVP-Seniorensprecherin beharrt auf Teilnahmezwang Hausärzteverband warnt vor Verschärfung des Kassenärztemangels

Wien (OTS) - Die Presseaussendung des Seniorenbundes vom 29. Juli widmet sich der „e-Medikation“. Das ist eine Teilfunktion der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. In der Aussendung kommt es zur Behauptung, dass zukünftig alle Medikamente, welche ein Patient einnimmt, im Speichersystem von ELGA Aufnahme finden. Das ist falsch! In Wirklichkeit kommt es zur zentralen Speicherung nur jener Präparate, gegen deren Aufnahme ins System der Patient nicht widersprochen hat. Aufgrund dieses Kniefalls des Gesetzgebers vor den Wahlmöglichkeiten der Sozialversicherten werden zukünftig die Aufnahmeärzte in den Spitälern und die vertretenden Kollegen in den Praxen zu unfreiwilligen Kriminalbeamten degradiert. Sie müssen mittels hartnäckiger Befragung herausfinden, welche Präparate der Aufnahme- oder Fremdpatient hat ausblenden lassen. Gerade Spezialitäten, über deren Einnahme der Patient den Mantel des Schweigens geworfen hat, können aber in Sachen gefährlicher Wechselwirkung von großer Bedeutung sein. Man denke nur an Arzneimittel zur Behandlung von Psychosen oder von Erektionsstörungen.

Mehrheit der Niedergelassenen bleibt „ELGA-frei“

Die besagte Aussendung der Seniorenbund-Bundesvorsitzenden-Stellvertreterin und ÖVP Seniorensprecherin, NR-Abgeordnete Mag. Gertrude Aubauer, differenziert nicht zwischen Wahl- und Kassenärzten. Das sogenannte ELGA-Gesetz zwingt nur die Kassenvertragsärzte ins System. Das sind österreichweit knapp 7.000 Mediziner. Nach exakter Berechnung gab es am 11. Jänner des laufenden Jahres 14.464 Niedergelassene. Die 9.470 Wahlärzte unseres Landes stellen damit 58 Prozent der niedergelassenen Ärzte dar. Die 6.994 Kassenärzte bilden eine Minderheit von 42 Prozent. Für den extramuralen Bereich entpuppt sich damit die Behauptung „ELGA ist Patientenrecht“ als inhaltsleer. Selbstverständlich sind auch die Kranken, welche von den 9.470 Wahlärzten behandelt werden, als Patienten zu bezeichnen. Wäre es, wie behauptet, ein Patientenrecht, dann dürfte dieses an der Schwelle einer Wahlarztpraxis nicht verloren gehen.

Folge des ELGA-Zwangs: Kassenärzte flüchten in den Ruhestand

Den Funktionären des Seniorenbundes dürfte die Ernsthaftigkeit unserer Warnungen entgangen sein. Aufgrund des sturen Beharrens auf der ELGA-Teilnahmepflicht für Vertragsärzte werden sich noch mehr Jungärzte für das Betreiben einer Wahlarztordination entscheiden. Auch unzählige Kollegen im Pensionsalter kündigen bereits an, bei Verwirklichung der Zwangsverpflichtung den wohlverdienten Ruhestand antreten zu wollen. Damit wird die Zahl der nicht zu besetzenden Kassenplanstellen weiter stark steigen. Das sind in Österreich derzeit 70 vakante Stellen, 21 davon allein in NÖ. Ein auf diese Weise provozierter Kassenärztemangel trifft auch alle Mitglieder des Seniorenbundes.

Unerträgliches Maß an Fremdbestimmung der Vertragsärzte

In Sachen überbordende Kassenbürokratie und Regulierungswahn des Gesetzgebers herrscht bei den Vertragsärzten Wut und Verzweiflung. Die Palette der Quälereien reicht von Mystery Shopping über Ausweiskontrollen bei Fremdpatienten bis zur Registrierkassenpflicht. Der Zwang, im Laufe des kommenden Jahres an ELGA teilnehmen zu müssen, wird das Fass zum Überlaufen bringen. Seit der viel beachteten ORF-Sendung „Am Schauplatz“ vom 28. Juli sind auch die Mitglieder des Seniorenbundes darüber informiert, was mehr und mehr Vertragsärzte unternehmen, um der „Knechtschaft durch die Kassen“ zu entfliehen: Sie legen die Gebietskrankenkassen-Verträge zurück.

Erfolgreiche IT-Projekte bedürfen keines Teilnahmezwangs

Sollte sich die Elektronische Gesundheitsakte inklusive der Teilfunktion „e-Medikation“ wider Erwarten als Erfolgsprojekt entwickeln, wird kein niedergelassener Arzt daran vorbeikommen.

Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

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Dr. Wolfgang Geppert,
Sprecher des Österreichischen Hausärzteverbandes,
geppert@aon.at, 0664/133 09 99

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