Oberösterreichs Eltern geben 13,5 Millionen Euro für Nachhilfe aus: Wettbewerb um gute Noten ist der Hauptgrund

Linz (OTS) - Jeder vierte oberösterreichische Haushalt mit Schulkindern benötigt oder wünscht sich Nachhilfe – fünf Prozent davon können sich die private Lernhilfe aber nicht leisten. Alleine letzten Sommer gaben Eltern, deren Kinder Bedarf an Nachhilfe hatten, im Schnitt 410 Euro dafür aus. In Summe wurden vergangenes Jahr in Oberösterreich 13,5 Millionen Euro bzw. 630 Euro pro Familie für Nachhilfe ausgegeben. Hauptgrund: 49 Prozent wollen die Noten der Kinder verbessern, bei 41 Prozent der Nachhilfe-Kinder steht eine Nachprüfung bevor. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert eine Verlagerung der individuellen Förderung in die Schule: „Ziel muss ein Schulsystem sein, das ausreichend Zeit zum Üben und Lernen bietet.“

Gute Noten sind heute die Voraussetzung dafür, später einen Platz an der gewünschten weiterführenden Schule, eine Lehrstelle oder einen Job zu finden. Diese Noten muss man sich aber erst einmal leisten können. Ergebnis der Nachhilfestudie von IFES im Auftrag der AK Oberösterreich: 20 Prozent der Eltern mit Schulkindern benötigten im vergangenen Schuljahr oder in den Sommerferien Nachhilfe und bezahlten dafür 13,5 Millionen Euro. Weitere fünf Prozent hätten ebenfalls Nachhilfe für den Nachwuchs benötigt oder gewünscht, konnten sich diese aber nicht leisten.

Rund die Hälfte der Eltern, die für eines oder mehrere ihrer Kinder Nachhilfe in Anspruch nehmen, fühlt sich durch die Kosten stark oder spürbar belastet. Besonders betroffen sind naturgemäß Familien mit niedrigem Einkommen. So fühlen sich etwa 73 Prozent der Eltern mit einem Haushaltseinkommen unter 1.600 Euro stark oder spürbar belastet. Fazit: Kinder aus einkommensschwachen Familien haben es im Wettbewerb ungleich schwerer als Kinder aus Familien mit höheren Einkommen, wenn ihre Noten nicht die allerbesten sind. 40 Prozent der Eltern lernen mit ihren Kindern täglich oder mehrmals wöchentlich – allerdings fällt das Lernen mit dem Nachwuchs vielen schwer.

Nachhilfe-Fach Nummer eins ist immer noch Mathematik. Zwei Drittel der benötigten Nachhilfe entfallen auf dieses Fach. Hauptgrund für die Nachhilfe ist mit 49 Prozent der Wunsch nach besseren Noten, gefolgt von einer Nachprüfung (41 Prozent). In 74 Prozent der Fällen bringt die Nachhilfe das gewünschte Ziel – wenn auch zu einem hohen Preis.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich kritisiert den Selektionsdruck und die Bildungsungerechtigkeit im österreichischen Schulsystem seit Jahren massiv. AK-Präsident Kalliauer: „Österreich muss es schaffen, dass nicht mehr das Einkommen der Eltern darüber entscheidet, welche Kinder weiterkommen und welche nicht. Alle müssen es schaffen. Was mit der teuren Nachhilfe gelingt, muss auch im Schulsystem möglich sein.“ Aus Sicht der AK müssen deswegen an den Schulen individualisierte, kostenlose Förderangebote und muss Lernen in Kleingruppen angeboten werden. Gibt es an der Schule ausreichend Zeit zum Üben und Lernen, wird Privatnachhilfe überflüssig.

Eine „echte“ Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht könnte das leisten. Im Problemfach Mathematik sieht die AK dringenden Handlungsbedarf in der Ausbildung der Lehrkräfte. Auch das Unterstützungspersonal (etwa Schulpsychologen/-innen, Sozialarbeiter/-innen, Logopäden/-innen) muss verstärkt werden, damit Lehrer/-innen entlastet werden und sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können – das Lernen mit den Kindern.

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