Kassenärztemangel: Schluss mit dem Schönfärben! Hausärzteverband fordert korrekten Umgang mit Ärztezahlen

Beispielhafter Blick nach Niederösterreich

Wien (OTS) - Zunehmend stemmen sich Kassenfunktionäre gegen die klare Diagnose eines Mangels an Vertragsärzten. So traten vor einigen Tagen der Obmann der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) Gerhard Hutter und „sein“ Generaldirektor Jan Pazourek mit Ärztezahlen an die Öffentlichkeit, welche für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. So stünden laut deren Angaben 2.376 Ärzte in einem Vertragsverhältnis zur NÖGKK. Auch wird behauptet, es gebe 1.730 Vertragsarztstellen.

Den Verantwortlichen der Kasse dürfte entgangen sein, dass die Zahnbehandler seit 1. Jänner 2006 nicht mehr zu den Ärzten gezählt werden. Die Ärztekammer für NÖ hat ihren Sitz in Wien, jene der Zahnbehandler in St. Pölten. Wenn Funktionäre der NÖ Ärztekammer oder des Österreichischen Hausärzteverbandes Schwierigkeiten bei Nachbesetzungen von Planstellen aufzeigen, meinen sie damit nicht einen Mangel an Zahnärzten zu beklagen. Darüber ein Urteil zu fällen, steht den Erwähnten gar nicht zu.

Einrechnung von Zahnärzten verzerrt den Blick auf Land- und Fachärztemangel

Es kommt daher einer Themenverfehlung gleich, wenn bei Diskussionen über Kassenärztemangel die NÖGKK-Verantwortlichen klammheimlich (ohne entsprechenden Hinweis) die Vertragsärzte für Zahnheilkunde zu den Mitgliedern der Ärztekammer hinzuzählen. Der Bevölkerung soll damit weisgemacht werden, dass statt eines Mangels an Kassenärzten sogar ein Überangebot bestehe.

Statt behaupteter 1.730 nur 1.243 Kassenplanstellen in NÖ

In NÖ rechnen derzeit 1.243 Kassenplanstellen (Allgemeinmediziner plus Fachärzte) ab, rechnet man alle Gesellschafter hinzu (85 Gruppenpraxen), kommt man auf 1.341 Personen. Nimmt man die von der Kasse behaupteten 1.730 Vertragsarztstellen her, muss allein für diese Kennzahl fast die gesamte Anzahl der NÖ Kassenärzte für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde eingerechnet worden sein. Derzeit gibt es 453 davon.

Auch das Rätsel mit 2.376 Medizinern, welche angeblich in einem Vertragsverhältnis zur Kasse stehen, scheint aufklärbar. Um diese plakative Zahl zu erreichen, sind alle Wahlärzte mit Vertrag für Vorsorgeuntersuchungen dazugezählt worden. Von den stolz verkündeten 39 neu geschaffenen Kassenstellen sind 30 „Zahnstellen“, die im Zuge der Gratiszahnspange geschaffen worden sind.

Nur exakte Diagnose erlaubt „Heilung“ des Kassenärztemangels

Anhand dieser geschönten Zahlen kann man ersehen, mit welcher Seriosität die Verantwortlichen der Kasse an die Nachbesetzungsprobleme bei Landarztstellen und diversen Facharztstellen herangehen.

Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

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Dr. Wolfgang Geppert, Sprecher des Österreichischen
Hausärzteverbandes, geppert@aon.at, 0664/133 09 99

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