Dziedzic: Intergeschlechtlichkeit auf dem Papier ermöglichen

Grüne mit parlamentarischer Anfrage an den Innenminister

Wien (OTS) - "Intergeschlechtliche Menschen erfahren gesellschaftliche Tabuisierung. Sie sind in politischen Debatten absolut nicht präsent. Das wollen wir ändern", sagt Ewa Dziedzic, LGBTI Sprecherin und Grüne Bundesrätin. Die Situation von intergeschlechtlichen Menschen in Österreich ist völlig unerforscht. Es gibt keinen gesellschaftspolitischen Diskurs und keinerlei Zahlen, wie viele Menschen betroffen sind.

Die Betroffenenorganisationen gehen davon aus, dass 1 von 1.000 Neugeborenen keiner der Normkategorien „männlich“ oder „weiblich“ zugeordnet werden kann. Der Begriff Inter* charakterisiert eine Variation von Geschlechtsmerkmalen, die bei intergeschlechtlichen Menschen von Geburt an nicht eindeutig sind. "Intergeschlechtlichkeit ist genetisch bedingt und keine Krankheit. Obwohl kein medizinischer Handlungsbedarf besteht, werden kosmetische Operationen durchgeführt, um betroffene Personen in die Kategorie männlich oder weiblich einzuteilen. Das bedeutet, es werden Amputationen und Verstümmelungen von Geschlechtsorganen an kerngesunden Babys durchgeführt, die später im Erwachsenenalter von den Betroffenen als gewaltvoll und traumatisierend erlebt werden", sagt Dziedzic.

Aktuell geht es um den Fall von Alex Jürgen in Oberösterreich, eine der ganz wenigen öffentlich sichtbaren intergeschlechtlichen Personen. Alex Jürgen pocht auf eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität und möchte einen Eintrag im Geburtenregister als Inter* erwirken. Dies wird Alex Jürgen verwehrt. "Auf europäischer Ebene gibt es einen Konsens, die medizinischen Verstümmelungen von Inter*Menschen zu beenden und ihnen eine rechtliche Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität zu ermöglichen. Wir fordern eine rasche Umsetzung dieser Verordnung auch in Österreich", sagt Dziedzic und weiter: "Massive Menschenrechtsverletzungen an intergeschlechtlichen Menschen sind ein europäisches und weltweites Problem und kein rein medizinisches Thema".

International gesehen war 2015 ein wichtiges Jahr für die Anliegen von Inter* Menschen. Sowohl der Menschenrechtskommissar des Europarats als auch die Europäische Grundrechteagentur haben Berichte mit Empfehlungen vorgelegt. Konkrete, legistische Handlungsweisen sind möglich, wie das fortschrittliche maltesische Gesetz – der Gender Identity, Gender Expression and Sex Characteristics Act zeigt. "Wir haben nicht nur keine Zahlen in Österreich, sondern wissen auch sonst wenig über die Lebensrealitäten von Personen, bei denen nach der Geburt eine ´Anpassung´ vorgenommen wurde. So zu tun, als gäbe es diese Fälle nicht, ist verantwortungslos", sagt Dziedzic. Die Grünen brachten deshalb eine Parlamentarische Anfrage mit dem Titel „Personenstandsänderungen für Intergeschlechtliche Menschen“ an den Innenminister ein.

Rückfragen & Kontakt:

Grüner Klub im Parlament
+43-1 40110-6697
presse@gruene.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMB0002