Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 15. Juli 2016; Leitartikel von Alois Vahrner: "Von A und B bei Zinsen und Gebühren"

Innsbruck (OTS) - Was dürfen die Banken und was sollen sie nicht dürfen bzw. müssen? Darum geht es zurzeit bei den Diskussionen über Bankomat- und andere Gebühren – auch über mögliche Negativzinsen für Kredite oder Spareinlagen.

Klar ist auch den Bankchefs selbst, dass sie meist nur beschränkt mit dem Mitgefühl ihrer Kunden rechnen können. „Die“ Banken wurden, auch von Teilen der österreichischen Politik, oft genug als Auslöser der Finanzkrise gebrandmarkt, die dann mit irrwitzigen öffentlichen Geldsummen gerettet werden mussten. Vielfach wurde zu Unrecht verallgemeinert, weil die in den USA losgetretene Katastrophe nur beschränkt mit österreichischen und da vor allem kleineren Regionalbanken zu tun hatte.
„Die“ Banken und natürlich auch die Bürger mussten aber trotzdem herhalten, um die Folgen von Finanzkrise und in die Hose gegangenen Auslandsabenteuern auch österreichischer Banken abzubiegen – zuvorderst für den Milliarden-Skandal um die Hypo Alpe Adria, aber auch für Flops anderer Institute wie der ÖVAG und in Tirol nach dem italienischen Fiasko der Hypo.
Die Zeche müssen meist jene zahlen, die die Misere nicht ausgelöst haben – verschärfte Regularien, Basel III und die bisher zehnmal so hohe Bankenabgabe wie in Deutschland (wird jetzt doch kräftig reduziert) treffen auch viele kleinere Geldinstitute. Und natürlich in weiterer Folge die Bankkunden, auch wenn das manche Politiker (und dazu zählte auch Ex-Kanzler Faymann) nicht wahrhaben wollten.
Die Vorschriften und Kapitalregeln wurden massiv verschärft, gleichzeitig kommt das bisherige Banken-Geschäftsmodell immer weiter unter Druck: etwa durch die Digitalisierung und mit ihr den Trend, immer mehr Bankgeschäfte via Laptop oder Smartphone und nicht mehr in der Filiale zu erledigen. Die Fast-Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat die Zinsspanne weiter geschmälert und bringt eine schleichende Enteignung der Sparer.
Aus all diesen Gründen versuchen einige Institute höhere Gebühren für Bankleistungen durchzusetzen, von Konto-Transaktionen bis eben zur Bankomatbehebung – obwohl all dies einst gepusht worden war, um das Schalterpersonal von teurer Servicearbeit zu entlasten.
Künftig scheint sogar möglich, dass es für Kredite Negativzinsen, also sogar noch einen Zinsgewinn gibt. Dann wird auch die Rechtslage, dass Sparer zumindest einen Minizins bekommen müssen, nicht haltbar sein. Sparern droht dann die Bezahlung von Strafzinsen. Womit, falls bis dahin nicht auch noch das Bargeld abgeschafft wird, dann zu Hause gespart und eine Kreditklemme durch die Banken bei Negativzinsen ausgelöst würde. Ob alle, die jetzt A sagen, auch wissen, was dann B bedeuten kann, ist fraglich.

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