ÖAMTC: Gurtmoral auch nach 40 Jahren Gurtpflicht noch ausbaufähig

2015 ein Drittel der getöteten Pkw-Insassen nicht angeschnallt

Wien (OTS) - Auch 40 Jahre nach Einführung der Gurtpflicht im Jahr 1976 gehen viele Autofahrer ein hohes Risiko ein und verzichten auf das Anschnallen. Im ersten Halbjahr 2016 sind 26 Pkw-Insassen, die nicht angegurtet waren, tödlich verunglückt (Quelle: BMI). Von den 233 im Jahr 2015 getöteten Pkw-Insassen verzichteten 76, also jeder Dritte, auf den Sicherheitsgurt (Quelle: Statistik Austria). "Männer zwischen 20 und 24 Jahren haben das geringste Gefahrenbewusstsein in punkto Sicherheitsgurt. In dieser Gruppe ist der Anteil der Todesopfer, die nicht angeschnallt waren, besonders hoch", hält ÖAMTC-Unfallforscher David Nosé fest.

ÖAMTC-Erhebungen im Wiener Stadtgebiet zeigen, dass die Gurtanlegequote vor allem auf kürzeren Strecken im städtischen Bereich ausbaufähig ist. "Auf den Vordersitzen waren zehn Prozent der beobachteten Pkw-Insassen nicht angeschnallt, auf der Rückbank waren es sogar 55 Prozent", fasst Nosé zusammen. Dabei wäre es für die hinten Sitzenden besonders wichtig, den Gurt anzulegen, weil sie nicht nur sich selbst gefährden. "Kommt es zum Unfall oder einer Notbremsung, wird man nach vorne geschleudert und fügt Fahrer und Beifahrer durch den Aufprall Verletzungen zu", sagt der ÖAMTC-Experte.

Organstrafverfügungen brachten signifikanten Rückgang der Unfalltoten

Die Gurtpflicht wurde in Österreich am 15. Juli 1976 eingeführt. Den größeren Meilenstein in der Erhöhung der Verkehrssicherheit brachte allerdings der 1. Juli 1984. Ab diesem Zeitpunkt wurden Verstöße mit einer Organstrafverfügung sanktioniert. Vorher kamen Jahr für Jahr rund 1.900 Menschen im Straßenverkehr ums Leben – 1985 sank diese Zahl deutlich auf rund 1.500. Seither ist ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten, obwohl die Anzahl der Pkw-Zulassungen ansteigt. 1984 waren rund 2,5 Millionen Pkw in Österreich zugelassen. Ende 2015 waren es mehr als 4,7 Millionen.

Die Höhe der Strafen hat sich im Laufe der Jahre geändert. Vor dem 1. Juli 1984 kam es höchstens zu zivilrechtlichen Folgen – beispielsweise wurde das Schmerzensgeld nach Verkehrsunfällen gekürzt, wenn man nicht angeschnallt war. "Der Strafsatz für das Organmandat betrug anfangs 100 Schilling, umgerechnet ca. 7 Euro", erklärt ÖAMTC-Juristin Eva Unger. "Heute muss man mit mindestens 35 Euro rechnen, wenn man ohne angelegten Sicherheitsgurt erwischt wird." Ist ein Kind nicht mit entsprechender Rückhalteeinrichtung gesichert, droht eine Anzeige. Der theoretische Strafrahmen reicht sogar bis zu 5.000 Euro. Zusätzlich wird eine Vormerkung ins Führerscheinregister eingetragen.

Zwtl. Moderne Sicherheitssysteme ohne Gurt so gut wie wertlos

Den Sicherheitsgurt gibt es mittlerweile seit rund 50 Jahren. Seither wurden viele aktive und passive Sicherheitssysteme wie Airbags und Fahrerassistenzsysteme eingeführt. "Der Gurt ist deshalb nicht veraltet", gibt Nosé zu bedenken. "ÖAMTC-Crashtests haben bewiesen, dass die Sicherheitseinrichtungen erst im Zusammenspiel mit dem angelegten Gurt bestmöglichen Schutz bieten."

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