TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 11. Juni 2015 von Peter Nindler - Operation Kirchturm

Innsbruck (OTS) - Eine landesweite Krankenhausholding wird nicht alle finanziellen Probleme in den zehn Spitälern lösen, aber eine zentral und professionell gesteuerte Gesundheitspolitik erleichtern. Der Kirchturm hat in den Bezirksspitälern ebenfalls ausgedient.

Jahrelang hat sich die Gesundheitspolitik an einer landesweiten Spitalsholding vorbeigeschwindelt. Es wurde ihr auch leicht gemacht, schließlich wollten die Bürgermeister nicht auf ihre Spitäler in den Bezirken verzichten. Nicht nur aus Gründen der medizinischen Versorgung in den Regionen, ihnen geht es gleichsam um Einfluss und Macht. So kämpften in den 1990er-Jahren die Wörgler um den Erhalt ihres Krankenhauses, ein Jahrzehnt später die Kitzbüheler. Obwohl wirtschaftlich kaum mehr rentabel, verstärkte das bis dahin gelebte politische Tabu, keine Spitäler zuzusperren, den Protest.
Der finanzielle Druck, unterschiedliche Eigentümerstrukturen und Abgangsfinanzierungen führen jetzt allerdings zu einem Umdenken. Der Spitalsbetrieb wird zur Herausforderung, die Investitionen bedeuten massive Belastungen für die Gemeinden. So hätte das von den Barmherzigen Schwestern privat geführte, aber öffentliche Bezirkskrankenhaus Zams ohne die 85-Millionen-Euro-Spritze des Landes die notwendige Modernisierung nicht mehr geschafft. Die Abgangsdeckelung von 400.000 Euro für die 54 Oberländer Gemeinden ist jedoch ein besonderes Zuckerl, die Krankenhausverbände Kufstein, Lienz und St. Johann schielen deshalb neidvoll in den Westen Tirols. Die Bürgermeister des größten Bezirks Innsbruck-Land mussten schon vor Jahren erkennen, dass sie ihr Bezirksspital in Hall kaum noch finanzieren können. Die Eingliederung in die heutigen tirol kliniken war die logische Konsequenz.
Die Prognosen schauen insgesamt düster aus. Nach einem Verlust von 52,3 Millionen Euro im Vorjahr für die zehn Tiroler Spitäler wird es heuer deutlich mehr sein. Eine Landesholding wird nicht automatisch die Verluste eindämmen. Aber eine bessere Abstimmung, eine ausgewogene Bettenstruktur, ein angepasstes Leistungsangebot, einheitliche Gehaltsstrukturen für Ärzte und Pflegepersonal sowie eine zielgerichtete Planung über das gesamte Land können zumindest Einsparungspotenziale ermöglichen. Gleichzeitig müssten die Lokalpolitiker zur Selbsterkenntnis gelangen, dass die Gemeinde ihr Betätigungsfeld und die Führung eines Spitals keine bürgermeisterliche Nebentätigkeit ist. Die Veruntreuung von 700.000 Euro im Altenheim Aldrans beweist, wie überfordert die Bürgermeister mit der Führung von „Wirtschaftsbetrieben“ sind.
Vieles spricht in Tirol für eine Spitalsholding, nicht zuletzt eine gerechte und transparente Finanzierung. Dass Lienz, Kufstein oder St. Johann benachteiligt sind, werden die verantwortlichen Regionalpolitiker ebenfalls nicht länger hinnehmen wollen.

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