TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 10. Juli 2016 von Alois Vahrner - EURO-Finale und das Aufatmen

Innsbruck (OTS) - Die skandalgeschüttelte FIFA plant eine Monster-WM mit 40 Teams. Gleichzeitig gibt es ein Platzverbot für die Kinder der Spieler.

Die heute zu Ende gehende Fußball-Europameisterschaft brachte Licht und Schatten – und glücklicherweise bisher
keine der befürchteten Terrorattacken.

Hunderte Millionen Fußballfans blicken heute mit Spannung auf das Stade de France, wo sich Gastgeber Frankreich und Portugal um den EURO-Titel duellieren. Auf jenes Stadion, vor dessen Toren am 13. November 2015 die an fünf Orten in Paris verübten Terroranschläge mit 130 Toten und 352 Verletzten ihren Ausgang nahmen. Wegen der Terrorangst stand die EURO im Vorfeld unter keinem guten Stern. Dazu kamen kurz vor dem EURO-Start der Hochwasser-Alarm auch in Paris sowie Streiks bei Bahn und Luftfahrt gegen Reformen der Regierung. Bleibt auch am Finaltag alles friedlich, dann dürfen das Veranstalterland und die Fans tief durchatmen. Die Kontrollen waren streng und die Polizei-Präsenz hoch, trotzdem agierten die Zehntausenden Sicherheitskräfte ruhig und freundlich.
Die Stadien waren trotz des auf 24 Mannschaften und 51 Spiele aufgeblähten Turnierplans mit in Summe 2,5 Millionen Fans voll, die Stimmung (abgesehen von Ausschreitungen englischer und russischer Hooligans sowie hirnloser Bengalo-Würfe einiger kroatischer Chaoten) hervorragend. Es gab Sensationsteams wie Island oder Wales und leider große Enttäuschungen wie Österreich. Sportlich fehlte es oft an Spektakel, weil die Teams vor allem auf Defensive und Tore-Verhindern aus waren.
Für Europas Fußballverband UEFA ist die finanzielle Rechnung mit der Turnier-Aufstockung wohl aufgegangen, und so denkt der Weltverband FIFA bereits an eine Monster-WM mit 40 statt bisher 32 Teams. Genug Geld können die skandalgeschüttelten Verbände wohl gar nie scheffeln. Gleichzeitig wurde den Spielern verboten, nach Match-Ende ihre Kinder auf den Platz zu holen. Zu viel Menschliches schadet in den Augen mancher offenbar im Milliarden-Business Fußball.

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