„Kulturmontag“: Über Erdogans Türkei, Kunststar Ai Weiwei im Gespräch und das Gütesiegel UNESCO-Welterbe

Außerdem: Doku „Adams Art“ über ein Dorf im Bilderrausch“

Wien (OTS) - Im „Kulturmontag“ am 11. Juli 2016 um 22.30 Uhr in ORF 2 besucht Jörg Winter Menschen, die dem türkischen Präsidenten Erdogans ein Dorn im Auge sind, und beleuchtet damit Erdogans Türkei. Clarissa Stadler trifft den chinesischen Kunst-Superstar Ai Weiwei zum Gespräch anlässlich seiner Arbeiten, die derzeit in Wien ausgestellt werden. Außerdem wird gefragt, welchen Effekt das Gütesigel UNESCO-Welterbe tatsächlich hat. Anschließend an das Kulturmagazin steht die Dokumentation „Adams Art – ein Dorf im Bilderrausch“ (23.15 Uhr) auf dem Programm – eine Dokumentation über eine besondere Sammelleidenschaft der Dorfbewohner von Suetschach/Sveče in Kärnten.

Herrschafts-Denken: Erdogans Türkei – Wie der Boss am Bosporus mit Kritikern umgeht

Schutzhelm und Gasmaske gehören zur Standardausrüstung im ORF-Büro Istanbul, wenn es gilt, über eine Demonstration zu berichten. Die Behörden zögern nie lange, Wasserwerfer und Tränengas einzusetzen. 2013 entzündeten sich rund um den symbolisch aufgeladenen Gezi-Park regelrechte Straßenschlachten. Jetzt will Erdogan im zweiten Anlauf sein Bauvorhaben durchsetzen, auf dem kleinen Stück Grün in der Millionenmetropole die Nachbildung einer 1940 geschleiften osmanischen Kaserne errichten lassen. Sultan wird der Präsident genannt, weniger von seinen glühenden Anhängern als von jenen, die seinen zusehends autokratischen Stil anprangern. Ein Präsident, dessen Machtambitionen wenig Grenzen zu kennen scheinen. Der türkische Rechtsstaat ist ins Wanken geraten, sagen Kritiker von Erdogan und seiner islamisch-konservativen Regierung. Intellektuelle und Gegner des Präsidenten werden mit Gerichtsverfahren überzogen, Andersdenkende geraten unter Terror-Generalverdacht. Ein Einziger scheint zunehmend kontrollieren zu wollen, was Journalisten schreiben, wie gesellschaftliche Randgruppen leben oder sich Künstler ausdrücken sollen. Jörg Winter hat für den „Kulturmontag“ einige jener besucht, die dem Präsidenten ein Dorn im Auge zu sein scheinen.

Kunst-Dissident: Ai Weiwei – Chinas Kunst-Superstar kommt nach Wien

Kunst ist brandgefährlich. Ai Weiwei bekam das im April 2011 zu spüren, als ihn die chinesischen Behörden auf dem Pekinger Flughafen verhafteten und an einen unbekannten Ort brachten. Monatelang bangte die Weltöffentlichkeit um Chinas Kunst-Superstar. Zuvor war Pekings Machthabern die Kunst des Herrn Ai zu gefährlich geworden. Unablässig hatte er in Statements und Aktionen die Weltöffentlichkeit über Skandale, Repressionen und Korruption des Regimes auf dem Laufenden gehalten. Im Vorjahr erhielt der Kunst-Dissident nach mehrjährigem Reiseverbot seinen Pass zurück. Seine erste Reise seither führte ihn nach Berlin, wo er eine Gastprofessur an der Universität der Künste antrat. Im März reiste Ai Weiwei dann nach Idomeni, um mit den Mitteln der Kunst auf die prekäre Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Auf dem morastigen Boden des Lagers ließ er einen weißen Konzertflügel aufstellen. Für ein Foto nahm er die Pose des ertrunkenen Flüchtlingskinds am Strand von Bodrum ein. Erstmals erntete Ai nicht den einhelligen Applaus des Westens, sondern auch Kritik und Häme. Jetzt reist er nach Wien. Eine Installation bildet die Vorhut: monumentale Tierschädel nehmen – auf Eisenstangen fixiert – den barocken Park von Schloss Belvedere in Augenschein. „Translocation – Transformation“ heißt die Arbeit, mit der er ab nächster Woche das 21er-Haus bespielt – ein Ahnentempel aus der Ming-Dynastie. Clarissa Stadler trifft Ai Weiwei zum Gespräch.

Welt-Erbe: Fluch und Segen – Welchen Effekt hat das UNESCO-Gütesiegel wirklich?

Das UNESCO-Welterbe – ein goldenes Gütesiegel, Garant für die Bewahrung des kulturellen und landschaftlichen Vermächtnisses der Menschheit, auch ein Emblem mit touristischer Magnetwirkung. Oder verhält es sich doch ganz anders? Städteplaner und Bauherren sind jedenfalls vor immense Herausforderungen gestellt, vor allem wenn größere Gebiete oder ganze Regionen – wie die Wiener City oder die Wachau – unter Schutz gestellt werden. Der Streit um Bauhöhen und Blickachsen mutet für Außenstehende bisweilen seltsam an. Nachdenkpause heißt es jetzt für den 73 Meter hohen Wohnturm für das Hotel Intercontinental am Rande der City nach vierjähriger Planungsphase samt kooperativem Verfahren und internationalem Architekturwettbewerb. Ein von der Stadt Wien beauftragter Fachbeirat kritisierte die Höhe des Wohnturms, gegen den sich auch der Verein ICOMOS wehrt. Auch in der Wachau gab es jüngst Aufregung: Der Arbeitskreis Welterbe Wachau protestierte gegen ein Bauvorhaben im Ortskern des 1.500-Einwohner-Orts Weißenkirchen. Ein privater Investor will dort ein modernes, elf Meter hohes Wohnhaus in den Hang hineinbauen. Das Orts- und Landschaftsbild ginge hier verloren, fürchten Kritiker. Trotz positivem Ortsbildgutachten wurde das Projekt bis auf weiteres gestoppt. Funktioniert der UNESCO-Welterbestatus also wie eine Käseglocke, die jegliche architektonische Weiterentwicklung verhindert? Kann man Orten eine positive Weiterentwicklung ermöglichen und modernen, stimmigen Städtebau betreiben – trotz des vermeintlichen Damoklesschwerts „Weltkulturerbe“? Und wie fatal sind die Folgen, wenn eine Region den Weltkulturerbe-Status verliert? Der „Kulturmontag“ hat in Wien und in der Wachau nach Antworten gesucht.

Außerdem: Doku-Premiere „Adams Art“ über ein Dorf im Bilderrausch“ (23.15 Uhr)

Einmal im Jahr kam Leben nach Suetschach/Sveče in Kärnten. Dabei schlossen die Geschäfte, die Jugend zog ab. Doch die „Suetschacher Malerwoche / Slikarski Teden“ im Dorf hatte alles geändert. Internationale Künstlerinnen und Künstler auf Sommercamp – mehr als 30 Jahre lang. Daraus entwickelte sich beim Wirten vom Gasthaus Adam und anderen Dorfbewohnern eine gemeinsame Leidenschaft: Sie sammeln zeitgenössische Kunst! In Suetschach/Sveče macht niemand Statistiken. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist hier in Südkärnten aber wohl die größte Dichte an Kunstsammler/innen in Europa, vielleicht sogar der Welt, zu finden. Bilder, Farben, Striche und Einkerbungen sind hier nicht Status. Kunst hilft beim Nachdenken, wird zum Begleiter. Absurd, lakonisch, voller Liebe zu den Protagonisten – Regisseur Lenzo Reinhard hat neun Jahre lang das Dorf beobachtet. Toni, der Wirt, ist kurz vor Fertigstellung des Films gestorben. Die Malerwoche gibt es nicht mehr. Doch die Kunst und ihre Bedeutung für die Dorfbewohner bleiben.

Angeführte Sendungen sind nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und werden auch als Live-Stream angeboten.

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