„Orientierung“ am 10. Juli: Kein verhülltes Gesicht am Arbeitsplatz

Muslime begrüßen differenziertes OGH-Urteil

Wien (OTS) - Christoph Riedl-Daser präsentiert im ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ am Sonntag, dem 10. Juli 2016, um 12.30 Uhr in ORF 2 folgende Beiträge:

Kein verhülltes Gesicht am Arbeitsplatz: Muslime begrüßen differenziertes OGH-Urteil

Es zähle in Österreich zu den „unbestrittenen Grundregeln zwischenmenschlicher Kommunikation, das Gesicht unverhüllt zu lassen“, heißt es in der Urteilsbegründung des Obersten Gerichtshofs. Der OGH hatte sich erstmals mit Diskriminierungsfragen im Zusammenhang mit religiöser Bekleidung einer muslimischen Arbeitnehmerin befasst. Die Vorgeschichte: Eine muslimische Frau hatte bei einem Notar gearbeitet und dort stets das muslimische Kopftuch und einen langen Mantel getragen. Als sie ankündigte, auch einen Gesichtsschleier anlegen zu wollen, wurde sie gekündigt. Dies ist „keine Diskriminierung“, so der OGH. Die Frau bekam aber zum Teil recht, weil sie generell wegen ihres religiösen Kleidungsstils benachteiligt worden war, und zwar bei der „Zuweisung von Aufgaben“. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ist dieses Urteil „nachvollziehbar“, begrüßt wird die differenzierte Sichtweise des Gerichts. Das Urteil sei mit der „Meinung der überwältigenden Mehrheit der Musliminnen und Muslime vereinbar“, heißt es vonseiten der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ). Das Tragen eines Gesichtsschleiers sei keine religiöse Pflicht. Bericht:
Christine Baumgartner, Mitarbeit: Felix Novak.

Im „Orientierung“-Studiogespräch zum Thema „Gesichtsschleier am Arbeitsplatz“: Dudu Kücükgöl, Wirtschaftspädagogin und viele Jahre lang in leitender Funktion in der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) tätig.

„Friedensburg“ Schlaining: Über die Rolle von Religion in Konflikten

Bedeutet der Anspruch, ein „Wahrheitsmonopol“ geltend machen zu können, unter gewissen gesellschaftlichen Umständen auch einen zusätzlichen Konfliktfaktor? Über die ambivalente Rolle von Religionen haben in dieser Woche Expertinnen und Experten im Rahmen der 33. Sommerakademie an der „Friedensburg“ Schlaining im Burgenland diskutiert. Unter dem Motto „Um Gottes willen – Die ambivalente Rolle von Religion in Konflikten“ wurde allerdings nicht nur das „Konfliktpotenzial“, sondern auch das „Friedenspotenzial“ – vor allem der abrahamitischen Religionen – thematisiert. Die „Orientierung“ hat mit der palästinensischen evangelischen Theologin Viola Raheb gesprochen. Außerdem kommen der islamische Religionspädagoge Driss Tabaalite und der aus Israel stammende Konfliktforscher Michael Ingber zu Wort. Bericht: Klaus Ther.

„Tradition des Erinnerns“ – ein Nachruf auf den Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel

Bis zuletzt engagierte er sich für das Wachhalten der Erinnerung an die sechs Millionen Opfer des Holocaust: Elie Wiesel. Am 2. Juli ist der Friedensnobelpreisträger, Schriftsteller und engagierter Streiter wider alle Unterdrückung im Alter von 87 Jahren in New York gestorben. Elie Wiesel wurde 1928 im rumänischen Sighet geboren. Er überlebte – als einziges Mitglied seiner Familie – das Grauen der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Mit dem Holocaust beschäftigen sich zahlreiche seiner Publikationen, so auch das vieldiskutierte Buch „Die Nacht“, in dem Elie Wiesel die furchtbare Zeit der Verfolgung beschreibt: „Brot, Suppe – das war mein Leben, nicht mehr. Ich war nur noch ein Körper.“ Sein Leben lang hat Elie Wiesel diese Erinnerungen – die ihm in all ihrer Schmerzlichkeit wichtig waren – immer wieder neu bearbeitet. Und immer wieder hat er gegen das Vergessen angeschrieben. Wesentlicher Teil seiner Haltung war auch sein jüdischer Glaube: „Ein Jude kann für oder gegen Gott sein – niemals aber ohne ihn“, sagte er einmal in einem ORF-Interview. 1986 erhielt Wiesel – der mit einer Wienerin verheiratet war – den Friedensnobelpreis für seine Vorbildfunktion im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus. Bericht: Gundi Lamprecht, Mitarbeit: Wolfgang Treitler.

Angst vor dem Aufbruch? – Das orthodoxe Konzil und die Moderne

Vor zwei Wochen ist das über Jahrzehnte vorbereitete orthodoxe Konzil auf Kreta zu Ende gegangen. Wie nicht anders zu erwarten, sorgt es nun für Diskussionen, was seine Bedeutung und Gültigkeit anbelangt. Von den vierzehn Kirchen haben nur zehn teilgenommen. Auch die große und einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche war nicht dabei. Was war nun bedeutsamer: das Treffen der zehn oder das Fehlen der vier? Sind die in Kolymbari beschlossenen Konzilstexte für alle Kirchen gültig? War die große Synode der erhoffte Impuls zur Einheit oder hat sie zwischen Moskau und Konstantinopel einen Keil getrieben? Eines war das Konzil auf jeden Fall: eine Schule des Gesprächs und des Dialogs. Zum ersten Mal – so drückte es einer der Teilnehmer aus – stellten sich orthodoxe Patriarchen und Bischöfe aus zehn Kirchen gemeinsam den Fragen der Gegenwart. Eine Nachlese.
Bericht: Christian Rathner.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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