AK-Frauenmonitor: 12.850 Euro weniger Einkommen bei Vollzeit - Da ginge sich jedes Jahr ein neues Auto aus!

Linz (OTS) - Traditionelle Rollenaufteilung, Defizite bei der Kinderbetreuung, unterbewertete „Frauenjobs“: Die Gründe für den hohen Einkommensunterschied sind vielfältig. Selbst bei ganzjähriger Vollzeitarbeit verdienen Frauen in Oberösterreich um 12.845 Euro brutto weniger als Männer – das wäre zum Beispiel jedes Jahr ein fabriksneuer VW Polo. „Familie und Beruf zu vereinbaren, ist noch immer schwierig“, stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. Gemeinsam mit der Vizepräsidentin der Gesellschaft für Arbeitsrecht und Sozialrecht, Dr.in Sieglinde Gahleitner, präsentierte er heute den aktuellen Frauenmonitor der Arbeiterkammer Oberösterreich. Die gebürtige Mühlviertlerin Gahleitner ist auch Mitglied des Verfassungsgerichtshofs.

Trotz punktueller Verbesserungen ist die praktische Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt noch immer nicht erreicht – darin sind sich Kalliauer und Gahleitner einig. Die Einkommensschere schließt sich viel zu langsam. Im Jahr 2006 zum Beispiel war das Medianeinkommen (nicht arbeitszeitbereinigt) der oberösterreichischen Frauen um 40 Prozent niedriger als jenes der Männer, 2015 waren es „nur noch“ 38,5 Prozent. Ein wenig besser die Entwicklung bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung: Hier lag das Minus der Frauen 2006 noch bei 30,6 Prozent, 2015 waren es 26,8 Prozent. „Einkommenstransparenz ist dabei ein wichtiger Punkt. Da gibt es ja bereits ausbaufähige Ansätze“, sagt Gahleitner.

Nur mehr 48,1 Prozent arbeiten Vollzeit
Doch Vollzeitjobs für Frauen sind rar. In den letzten zehn Jahren hat die Teilzeitarbeit bei den oberösterreichischen Frauen um ein Drittel zugenommen. Nur mehr 48,1 Prozent der Frauen in Oberösterreich arbeiten Vollzeit. Viele junge Mütter wollen zwar gerne Teilzeit arbeiten, solange die Kinder klein sind. Bei weitem nicht alle Frauen arbeiten allerdings freiwillig Teilzeit. Die Forderung der Arbeiterkammer nach einer lebensphasenorientierten Arbeitszeit mit Recht auf Wechsel zwischen Teilzeit und Vollzeit ist aktueller denn je.

Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind, gibt es in Oberösterreich nur für 3,6 Prozent der Unter-Dreijährigen und für 20,3 Prozent der Drei-bis Sechsjährigen. Fast jede fünfte Einrichtung hat nur sechs Stunden oder weniger geöffnet.

6,4 Milliarden unbezahlte Arbeitsstunden
Auf die innerfamiliäre Arbeitsteilung hat die Erwerbstätigkeit der Frauen nur wenig Auswirkungen. Jährlich werden zwei Drittel der unbezahlten Arbeit in Österreich von Frauen erledigt – dabei geht es laut Statistik Austria um unglaubliche 6,4 Milliarden unbezahlte Arbeitsstunden. Aber auch professionelle „Care“-Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich wird vorwiegend von Frauen geleistet. Diese verantwortungsvollen und fordernden Jobs sind nach wie vor unterbewertet und in vielen Bereichen nicht adäquat bezahlt.

Unbezahlte Arbeit gibt’s für die österreichischen Frauen übrigens nicht nur im Haushalt. Mehr als ein Viertel der von Frauen geleisteten Überstunden in den Betrieben wird nicht bezahlt. Hier geht es um ein Volumen von rund 21 Millionen unbezahlten Überstunden.

Frauenpension nur halb so hoch wie Männerpension
Dass all diese Benachteiligungen letztlich auch Auswirkungen auf die Alterssicherung der Frauen haben, liegt auf der Hand: Die durchschnittliche Alterspension der Frauen in Oberösterreich ist mit rund 1.000 Euro nur etwa halb so hoch wie jene der Männer (rund 1.940 Euro).

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Dass die konsequente Interessenvertretung der AK wirkt, lässt sich exemplarisch an drei Beispielen festmachen. Die Steuerreform etwa bedeutet für viele Frauen eine echte finanzielle Entlastung. Dass die vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters verhindert werden konnte, ist nicht zuletzt dem massiven Widerstand der AK zu verdanken. Und auch bei der Kinderbetreuung hat die AK einiges bewegt – das Netz an Betreuungseinrichtungen ist dichter geworden.

Noch mehr Informationen, Daten und Fakten zur Lage der Frauen in Oberösterreich, Österreich und Europa finden Sie im aktuellen AK-Frauenmonitor. Zu bestellen unter frauen@akooe.at oder zum kostenlosen Herunterladen auf ooe.arbeiterkammer.at

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Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
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