Industrie: Migration und Integration neu gestalten

Leitbild und Handlungsfelder für Integration – Maßnahmen zur Bewältigung der Fluchtmigration – Gesamtkonzept für Migration und Reformen der RWR-Karte

Wien (OTS) - „Durch Migration wurde und wird unsere Gesellschaft in sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht vielfältiger. Migrationsgeprägte Mobilität und Diversität gehören zu den wichtigsten Faktoren des sozialen und demografischen Wandels in Österreich. Diese Herausforderungen werden uns die kommenden Jahre hindurch beschäftigen, bedingt durch den steigenden Migrationsdruck und dessen Ursachen in verschiedenen globalen Krisengebieten. Umso wichtiger ist es, eine umfassende Gesamtstrategie für Zuwanderung und Integration zu entwickeln“, so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, anlässlich der Präsentation des IV-Positionspapiers „Migration und Integration neu gestalten“ heute, Freitag, in Wien. Das Konzept der IV ist das Ergebnis eines mehrmonatigen Dialogprozesses und soll vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen und zu erwartender Entwicklungen Vorschläge für eine zukünftige Ausrichtung der Migrations- und Integrationspolitik in Österreich und Europa bieten.

Leitbild und Handlungsfelder für Integration

Migrationsbedingte Entwicklungen vollziehen sich in Österreich ohne ein gesellschaftliches Leitbild für die Zukunft. Ein solches Zukunftsbild ist aber eine unverzichtbare Grundlage für eine klare und konsistente Strategie. „Von der Gesellschaft der Zukunft werden vier Kernkompetenzen erwartet“, so Dipl. Soz. Kenan Güngör, der die Entstehung des Konzeptes wissenschaftlich begleitet hat. Neben der Migrations- und Mobilitätskompetenz brauche es eine Aufnahme- und Integrationskompetenz, eine Teilhabe- und Inklusionskompetenz sowie eine wertebasierte Pluralitätskompetenz. „Inhaltlich geht es darum, wirksame Strategien für gesteuerte und ungesteuerte Zuwanderung zu entwerfen, Verantwortlichkeitsstrukturen zu schaffen, die Regelsysteme einer neuen Realität anzupassen und das Zusammenleben von einem exklusiven zu einem inklusiven Wir weiterzuentwickeln“, so der Soziologe.

Maßnahmen zur Bewältigung der Fluchtmigration und Gesamtkonzept für Zuwanderung

Gerade das ganz Europa beschäftigende Thema Fluchtmigration wurde intensiv beleuchtet. „Diese Herausforderung können wir nur durch gesteigerte internationale Zusammenarbeit lösen. Dabei geht es um politische und wirtschaftliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Ursachen der Fluchtmigration genauso wie um den Schutz der Außengrenzen der EU“, betonte der IV-Generalsekretär. Als nationale Themenfelder im Kontext der Fluchtmigration wurden Wohnen, Bildung, Gesundheit und Beschäftigung thematisiert. Erleichtert werden soll aus Sicht der IV der effektive Zugang von Asylberechtigten und Asylwerberinnen bzw. Asylwerbern zum Arbeitsmarkt. Insbesondere Jugendliche mit hoher Anerkennungswahrscheinlichkeit bis 25 Jahre sollen in allen Lehrberufen eine Beschäftigung aufnehmen dürfen. Darüber hinaus sollen Einstiegsjobs schrittweise auf den regulären Arbeitsmarkt vorbereiten.

„Migration braucht Planung, Gestaltung und Steuerung. Europa und Österreich stehen vor großen Herausforderungen, sich als attraktive Zielregion für qualifizierte Migrantinnen und Migranten zu positionieren. Viele Qualifizierte entscheiden sich dafür, nach Kanada oder in die USA zu gehen, weil ihnen Europa zu wenig bietet“, so Neumayer. Österreich brauche daher eine gesteuerte Zuwanderungsstrategie, in der unter anderem der Bedarf des Arbeitsmarkts, die Qualifikation der Zuwandernden, angepeilte Herkunftsregionen, die Auswahl der Zuwandernden, die Kommunikation in Österreich und den Zielländern konsequent geplant werden. Darüber hinaus sei eine Neuformulierung des unübersichtlichen Fremdenrechts in einem neuen Einwanderungsgesetz notwendig.

Rot-Weiß-Rot-Karte nachjustieren

Will man eine gesteuerte, zielgerichtete Migration in Österreich gestalten, braucht es eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR-Karte). „Immer noch stellen komplizierte und lange Verfahren zur RWR-Karte die Servicequalität in Frage. Das Zuwanderungsmodell muss flexibler unter stärkerer Berücksichtigung des Bedarfs auf Arbeitgeberseite gestaltet werden, dazu soll die Gewichtung des Punktesystems im Hinblick auf Sprache, Ausbildung und Alter überdacht werden“, forderte Neumayer. Auch die zeitliche Dauer bei Ausstellung der RWR-Karte soll in Anpassung an die Blue Card auf zwei Jahre ausgedehnt werden. Gewisse Hürden zur Erlangung der RWR-Karte – wie die Notwendigkeit einer ortsüblichen Unterkunft bei Beantragung – sollen ersatzlos gestrichen werden. Um hochqualifizierte internationale Studienabsolventinnen und -absolventen in Österreich zu halten, müssten auch Absolventinnen und Absolventen eines Bachelorstudiums die Möglichkeit haben, eine RWR-Karte zu erhalten. „Gezielte Migration und gelungene Integration sind für Staaten wie Österreich gesellschaftlich und wirtschaftlich notwendig“, so der Generalsekretär abschließend: „Der Wohlstandsgewinn der vergangenen Jahrzehnte wäre ohne Zuwanderung nicht möglich gewesen. Wie sich die Zukunft entwickelt, hängt wesentlich davon ab, wie die Politik und die Entscheidungsträgerinnen und -träger heute handeln. Bei aktiver Gestaltung haben wir die Chance, dass gezielte Zuwanderung zu gesellschaftlichem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum führt.“

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