Plass/Grüne Wirtschaft: Reformvorschlag für Gewerbeordnung stellt auch Wirtschaftskammerstrukturen grundlegend in Frage

Keine Zukunft für zünftlerische und föderalistische Kammer-Fachgruppen! Keine Zukunft für zünftlerische und föderalistische Kammer-Fachgruppen!

Wien (OTS) - „Der von Wirtschaftsminister Mitterlehner vorgelegte Reformvorschlag zur Gewerbeordnung ist überraschend mutig und richtungsweisend. Jetzt muss auch die Wirtschaftskammer ihre altbackenen und zünftlerischen Strukturen ganz grundlegend in Frage stellen“, kommentiert Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft.

Neben einer offenbar geplanten Entrümpelung der vollkommen veralteten Liste reglementierter Gewerbe, die die Grüne Wirtschaft seit langem fordert, ist auch geplant, zukünftig einen einheitlichen Gewerbeschein für alle freien Gewerbe einzuführen. Es soll also der Behörde im Detail gar nicht mehr bekanntgegeben werden, welche und wie viele der freien Gewerbe man auszuüben beabsichtig.

„Das wäre tatsächlich eine Revolution, da sich speziell bei jungen, innovativen Unternehmen Geschäftsfelder erst mit der Zeit entwickeln und mitunter verändern. Damit wäre aber auch die längst überholte Fachgruppen-Struktur der Wirtschaftskammer obsolet“, meint Plass:
„Denn nach heutiger Logik müsste die Wirtschaftskammer zukünftig jedem Unternehmen hinterher spionieren, um dessen richtige und eventuell sogar mehrfache Zuordnung in ihre vollkommen überholte Fachgruppen-Struktur zu erzwingen. Da wäre es innovativer, die Gunst der Stunde zu nützen und auch gleich den eigenen Betrieb zu reformieren!“

Die Wirtschaftskammer-Mitgliedschaft könnte in Zukunft ebenfalls aus einer im Prinzip universellen Mitgliedschaft bestehen. Ob ein Unternehmen dann noch eine branchenspezifische Interessenvertretung benötigt und finanzieren möchte, könnte man diesem freistellen. So wäre die Wirtschaftskammer gezwungen, auf moderne Marktbedingungen mit modernen und wirklich nützlichen Angeboten – etwa der Interessenvertretung entsprechend zeitgemäßer Marktcluster – zu reagieren.

„Dies würde jedoch in der Kammer so vieles auf den Kopf stellen – unter anderem auch das gesamte Wahlrecht –, dass zu befürchten ist, dass der ÖVP-Wirtschaftsbund sehr bald eine Mauer aufstellen wird. Präsident Christoph Leitl ist jedenfalls aufgerufen, relativ rasch klarzustellen, dass er die Reformbemühungen Mitterlehners aktiv unterstützen wird“, so Plass.

Entscheidende Veränderungen könnten sich auch bei den Kollektivverträgen ergeben, meint Plass: „Die Frage, welcher Betrieb zukünftig bei der Einführung eines freien Universalgewerbes welchem Kollektivvertrag unterliegt, könnte noch Anlass zu heftigen Diskussionen geben. Das wäre ein Anlass, auch endlich die Liste der hunderten Kollektivverträge zu durchforsten und so wie im Handel eher in Richtung von Generalkollektivverträgen zu gehen“, so Plass abschließend.

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