"Wahrheit oder Pflicht?" Aufklärung zu Vorurteilen gegen Mindestsicherungsbezieher. "Warum liest man das kaum wo?"

Diakonie zieht positive Bilanz: Alle Postkarten in Lokalen vergriffen. Hoher Zugriff auf Infografiken & Argumente

Wien (OTS) - „Wahrheit oder Pflicht?“, mit diesem Motto machte die Diakonie in den letzten Wochen auf Vorurteile und Falschmeldungen in der Mindestsicherungs-Debatte aufmerksam. „Infografiken, die über Social Media (Facebook, Twitter, Instagram) zu sehen sind, verzeichneten hohe Zugriffe, die dazu passenden Postkarten in Lokalen sind vergriffen. Die meist gestellte Frage aber an uns war: „Warum liest man das kaum wo, warum sind die Infos in der veröffentlichten Meinung so einseitig und unausgewogen?“

Die Freecards und Infographiken setzten sich beispielsweise mit der Frage auseinander, wo die Mindestsicherung nach ihrer Einführung am stärksten gestiegen ist. Die Zuwachs-Raten von Menschen mit ‪Mindestsicherung waren nicht in den Bundesländern mit den hohen Leistungen am höchsten, sondern in denen mit den niedrigsten: In Oberösterreich und Niederösterreich, die zur Gruppe der Bundesländer mit niedrigen bzw. mittleren Leistungshöhen zählen, sind die Anstiege mit + 23,8% bzw. + 27,3% wesentlich höher als in Tirol (+13,0%), demLand mit dem höchsten Leistungsniveau. Das weist auf Ursachen wie Arbeitslosigkeit oder prekäre Jobs hin.

Überbrückungshilfe: Durchschnittl. Bezugsdauer 6-9 Monate, 20% weniger als drei Monate

Die durchschnittliche Bezugsdauer beträgt zwischen 6 und 9 Monaten, bei 20% der unterstützten Haushalte ist sie kürzer als 3 Monate. Dabei ist zu bedenken, dass zum BMS-BezieherInnen-Kreis auch Personen gehören, die kaum Chancen für einen Ausstieg aus der BMS haben, wie z.B. Personen im Pensionsalter oder Menschen mit erheblicher Beeinträchtigung.

Nicht erst seit Fluchtbewegung, bereits in alter Sozialhilfe starker Anstieg

Die BezieherInnenzahlen steigen nicht erst seit der Fluchtbewegung aus Syrien und auch nicht erst seit Einführung der Mindestsicherung im Jahr 2010. Bereits in der alten Sozialhilfe seit Mitte der 2000er Jahre haben sich die Betroffenenzahlen stark erhöht (1999: 71000 2007: 152000 2011: 193000 2014: 256000). Die Gründe für den Anstieg der Mindestsicherung liegen anderswo: Bei fehlenden Arbeitsplätzen, steigenden Wohnkosten in den Städten, physischen und psychischen Beeinträchtigungen, prekären und
nichtexistenzsichernden Jobs.

Es genügt also nicht, über die Mindestsicherung allein zu sprechen. „Die Vermeidung von Armut ist eine zentrale Aufgabe. Die Mindestsicherung kann in Zukunft nicht der „Staubsauger“ für alle strukturellen Probleme sein, die in der Mitte der Gesellschaft angelegt sind: Arbeitslosigkeit, Pflegenotstand, prekäre Jobs, mangelnde soziale Aufstiegschancen im Bildungssystem. Es ist notwendig, etwas dort zu tun, wo Armut gemacht wird“, so Diakonie Direktor Michael Chalupka.

HINWEIS: Alle Infografiken und Freecards hier:
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