PsychotherapeutInnen schließen sich Wirtschaftskammerkritik zur Registrierkassenpflicht an

Wien (OTS) - Bei den PsychotherapeutInnen stößt der massive Protest der Tourismussparte der Wirtschaftskammer gegen das geplante Stückwerk an Ausnahmereglungen für die Registrierkassenpflicht, auf volles Verständnis. Dr. Peter Stippl, Präsident der österreichweiten Berufsvertretung der PsychotherapeutInnen (ÖBVP), schließt sich dieser Kritik an. Nach der geltenden Regelung muss es für jede Patientin und jeden Patienten nach der Psychotherapiestunde – auch wenn die Therapie außerhalb der Praxisräume, z. B. in einer Einrichtung, stattfindet, bei Barzahlung eine mit einer EDV-Anlage erstellte Papierquittung geben. Gab es bisher am Ende der Behandlung oder im Quartal eine an bestimmte Formvorschriften gebundene Honorarnote, die auch zur Zuschusseinreichung bei den Krankenkassen diente, nimmt jetzt die „Zettelwirtschaft“ überhand.

Wenig Verständnis dafür haben auch die etwa 30.000 ÖsterreicherInnen, die sich eine Psychotherapie selbst finanzieren müssen, da von den Kassen Psychotherapien nur sehr eingeschränkt auf E-Card-finanziert werden bzw. nur geringe Zuschüsse gewährt werden. Ob der überbordenden Bürokratie, fürchten diese PatientInnen um die Vertraulichkeit ihrer Behandlung. Mit Bankzahlscheinen, die von der Registrierkassenpflicht ausgenommen sind, haben PatientInnen wenig Freude, weil somit für BankmitarbeiterInnen die ZahlungsempfängerIn klar ersichtlich ist.

Präsident Dr. Stippl zitiert aus einer Studie des Linzer Soziologen Univ. Prof. Dr. Grausgruber zum Stigmatisierungsproblem bei psychischen Erkrankungen: „Das Bild von Herr und Frau Österreicher gehe bei einzelnen psychischen Krankheitsbildern – völlig zu Unrecht - so weit, dass man die Betroffenen sogar für gefährlich halte.“ Die Zettelflut in der Psychotherapie ist also nicht nur eine Zumutung für die TherapeutInnen, sondern lässt auch befürchten, dass Menschen, denen bei rechtzeitiger Behandlung mittels Psychotherapie die Verschlechterung und Manifestierung einer psychischen Erkrankung erspart bleiben würde, schlichtweg den Weg zur PsychotherapeutIn meiden.

Was das enorme Ansteigen der psychischen Erkrankungen langfristig volkswirtschaftlich bedeutet, ist mit den zunehmenden Frühpensionierungen belegt, meint Präsident Stippl. Der ÖBVP wird sich in den nächsten Wochen dafür einsetzen, die Gesundheits- und Finanzsprecher der Parlamentsparteien für eine Ausnahmeregelung der Registrierkassenpflicht bei Psychotherapie zu gewinnen.

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