Tiroler Festspiele Erl: Aktuelle Inszenierung von Rossinis „Tell“ als ORF-Opernverfilmung

Dreh soeben abgeschlossen – ORF-Ausstrahlung am 30. und 31. Juli, themenaffine „matinee“ schon am 17. Juli

Wien (OTS) - Der ORF-Kultursommer 2016 bietet eine ganze Reihe glanzvoller Premieren, darunter auch die erste ORF-Produktion aus dem neuen Tiroler Festspielhaus Erl: Rossinis letzte Oper „Guglielmo Tell“, die dort ebenfalls erstmals aufgeführt wird. Aus dem rund dreieinhalbstündigen Oeuvre entsteht derzeit – noch vor der Bühnenpremiere am 8. Juli – eine ganz besondere Fernsehfassung. Für den ORF hat Festivalleiter, Dirigent und Regisseur Gustav Kuhn gemeinsam mit TV-Regisseur Felix Breisach ein stringentes Konzept für eine eigene, auf rund zwei Stunden gekürzte Version der Oper erarbeitet. Die Dreharbeiten wurden gerade erst abgeschlossen, nun wird die Produktion fertig gestellt und ist am Samstag, dem 30. Juli 2016, um 22.15 Uhr ORF 2 zu sehen; ein Dakapo gibt es am Sonntag, dem 31. Juli, um 20.15 Uhr in ORF III. Der Oper und dem seit 1998 stattfindenden Festival widmet ORF 2 schon am Sonntag, dem 17. Juli, ab 9.05 Uhr eine zweiteilige „matinee“: Zu sehen sind die von Martin Traxl und Edith Hisch gestaltete neue Dokumentation „Wilhelm Tell – Von Lucca nach Erl“ sowie eine Ausgabe der Reihe „Musikalisch – Kulinarisch: Gioacchino Rossini: Der Schwan von Pesaro“ (10.15 Uhr).

Martin Traxl: „So hat man die Geschichte des Schweizer Nationalhelden sicher noch nie gesehen!“

„Unsere erste Produktion in Erl ist keine herkömmliche Opernaufzeichnung, sondern eine Art Opernfilm, eine verdichtete TV-Fassung, die wir gemeinsam mit den Tiroler Festspielen entwickelt haben“, sagt ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl. „Die Sänger/innen und Musiker/innen standen uns für einzelne Takes zur Verfügung, was völlig neue Perspektiven ermöglicht. So hat man die Geschichte des Schweizer Nationalhelden sicher noch nie gesehen!“, verspricht Traxl, der auch für die Dokumentation zur Opernproduktion verantwortlich zeichnet. Mit seinem Filmteam hat er Gustav Kuhns Ausbildungsstätte in der Toskana – die Accademia di Montegral bei Lucca – besucht und sich auf die Spur von Rossinis letzter Oper gemacht, die in Lucca ihre italienische Uraufführung hatte. Weiters führt Traxl das ORF-Publikum zu Beginn der TV-Ausstrahlung in die Oper ein und liefert einen kurzen historischen Einblick in Rossinis Werk.

TV-Regisseur Felix Breisach: „Ungewöhnliche Perspektiven, die man im normalen Opernbetrieb nicht kreieren kann.“

Zufrieden mit den Dreharbeiten zeigt sich auch der Musiktheater-erfahrene Fernsehregisseur Felix Breisach: „Es war sehr schön, die Möglichkeit zu bekommen, mit dem Ensemble, dem Orchester und dem Dirigenten so zu arbeiten. Das Besondere daran ist, dass die Künstler/innen nur für das Fernsehen zur Verfügung standen und man daher ungewöhnliche Perspektiven und Bilder bekam, die man im normalen Opernbetrieb nicht kreieren kann. Wir versuchen hier ein Opernerlebnis zu erzeugen, wie man es bisher nicht kennt“, so Breisach.

Mit insgesamt sechs Kameras hat der gebürtige Grazer das Geschehen auf der Bühne einerseits takeweise eingefangen, andererseits alle vier Akte der Oper auch komplett aufgezeichnet. Die Sängerinnen und Sänger von Gustav Kuhns Kaderschmiede Accademia di Montegral bei Lucca, wo das Werk zuvor erarbeitet wurde um dann in Erl zur Bühnenreife gebracht zu werden, standen dem ORF-Team an vier Tagen im Festspielhaus zur Verfügung: nachmittags wurden ausgewählte Szenen der Oper geprobt und anschließend gefilmt, abends wurde dann vor Publikum jeweils einer der vier Akte in chronologischer Reihenfolge aufgezeichnet.

Maestro Gustav Kuhn: „Die Idee ist komplett aufgegangen. Ich freue mich auf die TV-Ausstrahlung!“

„Mich freut es besonders, dass es uns gelungen ist, unser eigenes, aber auch ein völlig neues Publikum an den Aufzeichnungen der einzelnen Akte an vier Abenden teilhaben zu lassen“, sagt Erl-Intendant, Dirigent und Regisseur Gustav Kuhn. „Jeden Abend konnte ich mehr Menschen im Zuschauerraum begrüßen – viele von ihnen das erste Mal überhaupt im Festspielhaus und eigens aus Salzburg, München, Innsbruck und darüber hinaus angereist. Die Idee einer dem ‚Sportstudio‘ gleichenden Situation, in der wir dem Zuschauer die Chance geben, hautnah bei einer heute so seltenen TV-Opernproduktion unter Studiobedingungen dabei zu sein, ist komplett aufgegangen. Das Beste dabei: Die Zuschauer waren allesamt hellauf begeistert!“, frohlockt Kuhn. Und: „Ich freue mich in diesem Kontext besonders auf die TV-Ausstrahlung, weil ich mir sicher bin, dass wir mit dieser weiteres, neues Publikum erreichen und hoffentlich von uns überzeugen können.“

„Verwurzelung“ als Grundgedanke der Inszenierung

Bei Gustav Kuhns szenischem Arrangement des „Guglielmo Tell“ liegt der Fokus auf der Musik und dem Gesang – im Speziellen dem Belcanto. Dabei lässt der Maestro seinen Sängerinnen und Sängern viel Raum zur eigenen Rollengestaltung. Bei den Vorproben in den vergangenen Wochen und Monaten in der Accademia di Montegral bei Lucca wurde nicht nur Rossinis Komposition musikalisch gemeinsam erarbeitet sondern wurden auch die historische Aufführungspraxis und die Geschichte des Werkes beleuchtet. Der Grundgedanke der Inszenierung, der im Bühnenbild und den Kostümen zum Tragen kommt, ist die „Verwurzelung“. Die Verwurzelung des Volkes mit dem von ihm besiedelten Land, das Bewusstwerden der eigenen Geschichte, der Identität und der Sehnsucht nach Freiheit. ORF-Regisseur Felix Breisach übersetzt Gustav Kuhns Konzept in eine filmische Sprache und liefert seltene Einblicke in das Bühnengeschehen. Begleitet wurde das Sängerensemble vom Orchester und der Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl.

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