AMS-Kopf bei Wirtschaftsparlament: „Senkung der Lohnnebenkosten ist wichtigste Maßnahme zur Senkung der Arbeitslosigkeit“

AMS-Vorstand hält Festvortrag bei WKÖ-Wirtschaftsparlament: Österreichs Arbeitsmarkt ist in Bewegung - große Herausforderungen verlangen neue Antworten

Wien (OTS) - Was tun gegen die hohe und nach wie vor steigende Arbeitslosigkeit? Wie die Kluft zwischen aktuell rund 45.000 offenen Stellen und 400.000 Arbeitslosen überbrücken? Diese und weitere Problemstellungen im Zusammenhang mit der österreichischen Arbeitsmarktlage standen im Mittelpunkt des Festvortrags von AMS-Vorstand Johannes Kopf beim Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), das heute im Haus der österreichischen Wirtschaft stattfindet.

„Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung, wir sind es auch. Aber große Herausforderungen verlangen auch neue Antworten“, leitete Kopf seine Ausführungen vor den Funktionären der WKÖ ein und skizzierte die ungeheure Dynamik auf dem Arbeitsmarkt. So gebe es derzeit um rund 15.000 offene Stellen mehr als vor einem Jahr, was einem Plus von 50 Prozent entspricht. Die enorme Dynamik zeige sich etwa daran, dass 40 Prozent der offenen Stellen binnen 10 Tagen besetzt werden können, 70 Prozent zumindest binnen eines Monats. Zugleich seien 6 Prozent der offenen Stellen auch nach 3 Monaten noch frei. „Das klingt auf den ersten Blick nach nicht viel, aber es ist ein ernstes Problem, wenn Betriebe Aufträge nicht annehmen können, weil sie nicht die Mitarbeiter dafür haben.“

Um die Arbeitslosigkeit zu senken und mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen, gebe es eine Reihe von Einzelmaßnahmen – vom Ausbau bestehender AMS-Instrumente wie des Frühmeldungssystems bis hin zu auch von der Wirtschaft ausdrücklich geforderten Wachstums- und Investitionsanreizen. Am wichtigsten zur Senkung der Arbeitslosigkeit sei aus seiner Sicht jedoch eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten. „Je mehr, desto besser.“ Würde z.B. der Beitrag zum FLAF (Größenordnung 4,5 Prozent) gestrichen und die damit finanzierten Familienleistungen aus dem Budget finanziert, könnte das zehntausende Jobs bringen. Das Ziel der Reduktion des Faktors Arbeit sei ja politisch unbestritten, jedoch ist eine Einigung zur Gegenfinanzierung alles andere als leicht. Weitere Top-Prioritäten seien eine Arbeitszeitflexibilisierung sowie Bürokratieabbau.

Am schwierigsten zu bekämpfen sei die strukturelle Arbeitslosigkeit, meinte Kopf mit dem Verweis darauf, dass die Arbeitslosigkeit von Menschen nur mit Pflichtschulabschluss massiv höher sei als jene von Menschen mit Lehrabschluss, Matura oder gar einem Studium. „Die allergrößte Herausforderung am Arbeitsmarkt sind nicht die Flüchtlinge, sondern Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung. Dieses Problem kann nur im Bildungssystem gelöst werden. Unsere Schulen müssen viel, viel besser werden!“

Notwendig sei auch eine höhere Mobilität. Bestehende Anreize wie z.B. die Entfernungsbeihilfe zur Abgeltung des Pendelns zum Arbeitsplatz könnten hier noch besser eingesetzt und genutzt werden. Beim umstrittenen Thema Zumutbarkeit könnte der Hebel auch bei der Vollziehung der bestehenden Regeln durch das AMS angesetzt werden, wobei weitergehende Maßnahmen sehr beschäftigungsintensiv und daher nicht zuletzt eine Personalfrage seien. „Wir sollten aber nicht nur über die Zumutbarkeit reden, sondern auch über Inaktivitätsfallen, etwa bei der Mindestsicherung.“ Hinsichtlich der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sprach sich Kopf dafür aus, dass jeder Asylwerber rasch einen Deutsch-Kurs erhält. „Damit Integration erfolgreich ist, müssen wir früh und intensiv damit beginnen.“ (PWK493/SR)

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