ANIMAL SPIRIT: 26 halbzahme Grau- und Hausgänse sollen an der Ybbs „entsorgt“ werden

Eine außergewöhnliche, aber leider auch alltägliche Geschichte von Tiervernichtung, die immer noch viel zu oft vorkommt.

Laaben (OTS) - Seit ca. 12 Jahren betreut und füttert eine engagierte Tierfreundin aus der Nähe von Amstetten, NÖ ehrenamtlich eine kleine Grauganskolonie, zu der sich auch ausgesetzte Hausgänse gesellt haben, an der Ybbs bei Winklarn. So entstand im Laufe der Jahre ein enger Kontakt zwischen den insgesamt 26 dort frei lebenden Tieren, welche auch von anderen Tierfreunden betreut werden. Das Grundstück, wo die Gänse jahrelang unbeschwert im Freien leben durften, wurde kürzlich von der Gemeinde Winklarn aufgekauft. Leider wurde vom Gemeinderat und Bürgermeister Gernot Lechner (ÖVP) beschlossen, diese naturbelassene schöne Wiese zu „begradigen“. Der Bürgermeister verkündete danach der „Gänsemutter“, daß die Tiere bald weg müßten und im Tierpark Haag untergebracht würden. Das geschah aber nicht (der Tierpark ist voll und nimmt zudem keine Hausgänse auf), es fuhren vielmehr große Bagger auf, die 14 Tage lang die Gänse extrem verängstigten. Die von der Tierfreundin seit 12 Jahren betreute Gänsekolonie ist in ihrer Verzweiflung über die Zerstörung ihres angestammten Territoriums zu tierliebenden Nachbarn geflohen, wo sie vorläufig - bis ihre Jungen flugfähig sind - bleiben dürfen.

Nun hat der Bürgermeister mehrere Tafeln mit dem Wortlaut: "Bitte die Tiere nicht füttern" am Zaun befestigen lassen. Dazu die Gänseschützerin Margret Sapinsky: „Ich fragte bei der Gemeinde nach und die Vizebürgermeisterin teilte mir mit, daß die Tiere sich selber etwas zum Fressen suchen sollen, was sie aber nicht tun, da sie ja jahrelang – vor allem im Winter - von Tierfreunden gefüttert worden sind und so warten sie nur gänzlich verhungert in einer Ecke. Ich gewinne den Eindruck, man will die Hausgänse einfach loswerden oder verhungern lassen. Ich habe sie bis heute gefüttert und werde es auch weiterhin tun, obwohl mir mit Anzeigen gedroht wird. Auch ist mir zu Ohren gekommen, daß die Gänse (heimlich?) von Jägern erschossen werden sollen!“

Vorgestern erhielt dann Frau Sapinsky vom Bürgermeister einen Rsb-Brief mit folgendem Wortlaut: „… Die Gemeinde Winklarn hat dieses Grundstück aufgrund eines langgehegten Wunsches der Bevölkerung gekauft, um einen ungehinderten Zugang zur Ybbs zu schaffen. Die Neugestaltung ist abgeschlossen und das Grundstück wird demnächst für den Zugang zur Ybbs freigegeben. Ich darf Sie daher ersuchen, innerhalb von 10 Tagen ab Zustellung dieses Schreibens der Gemeinde Winklarn schriftlich bekanntzugeben, ob Sie der Halter der Gänse sind. Es wird der Vollständigkeit halber darauf verwiesen, daß gem. § 1320 ABGB der Halter für die Verwahrung, Beaufsichtigung und auch für die Schäden aus der Tierhaltung verantwortlich ist. Falls die Gemeinde Winklarn innerhalb der oben genannten Frist keine Mitteilung erhält bzw. für den Fall, daß Sie nicht Halterin der Gänse sind, gelten die Gänse als ausgewilderte Tiere und herrenlos. Die Gemeinde Winklarn wird die Gänse in der Folge entfernen lassen.“

Selbstverständlich „gehören“ aber diese halbwilden Tiere nicht Frau Sapinsky, auch wenn sie diese jahrelang betreut und gefüttert hat. Dazu Tierarzt Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann der Tierschutzorganisation ANIMAL SPIRIT: „Hier sieht man wieder mal ein typisches Beispiel von österreichischer Behörden-Willkür, wenn es um weitere Vernichtung der letzten natürlichen und unverbauten Lebensräume für Mensch und Tier geht. Die Gänse versperren oder hindern keinen Menschen daran, zum schönen Fluß Ybbs zu gehen; im Gegenteil, die 26 halbzahmen Tiere sind über die Jahre zu einem Teil der Landschaft geworden, die dort ihre Heimat gefunden haben, ohne diese deswegen auch nur einem einzigen Menschen, der Ruhe und Erholung in der Natur sucht, streitig zu machen. Das besagte Grundstück ist groß genug, daß auch 26 Grau- und Hausgänse dort leben können, so wie sie es bereits viele Jahre getan haben; die nötige Betreuung könnte auch in Zukunft von der lokalen Bevölkerung und vielen freiwilligen Tierfreunden organisiert werden – wenn die Behörden nur wollten und nicht auf stur schalten. Viele Menschen in Winklarn haben über die Jahre Freude an diesen Tieren gefunden und sehen sie als Bereicherung. Auch Hausgänse sollten ein Recht auf artgerechtes Leben haben, auch wenn diese intelligenten Tiere – wie Millionen andere sog. „Nutztiere“ - sonst von Menschen umgebracht und aufgegessen werden. Gerade jetzt, wo immer mehr Menschen mit Tieren respektlos oder sogar brutal umgehen und Tierquälereien an der Tagesordnung sind, sollte dieses positive Beispiel von Frau Sapinsky dazu beitragen, die Gesellschaft wachzurütteln und aufzuzeigen, daß eine friedlichere und respektvollere Einstellung gegenüber unseren Mitgeschöpfen möglich ist.“

Dr. Plank abschließend: „Wenn alle Stricke reißen und die Tiere -aufgrund der menschlichen Bürokraten und Naturzerstörer - wirklich nicht in ihrer angestammten Heimat bleiben dürfen, wäre ANIMAL SPIRIT auch bereit, zumindest die Hälfte der Tiere auf seinem Gnadenhof in Esternberg, OÖ aufzunehmen.“

Rückfragen & Kontakt:

Margret Sapinsky, 07475-53 371 oder 0680-310 85 28
Dr. Franz-Joseph Plank, 0676-708 24 34
office@animal-spirit.at
www.animal-spirit.at

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