ÖAMTC-Test: VW-Umrüstungen beeinträchtigen Leistung und Verbrauch nicht (+ Fotos, + Grafik)

Unabhängig von Umrüstung: Normverbrauch höher als angegeben

Wien (OTS) - Der VW-Konzern hat im "Abgasskandal" eine Software-Umrüstung gestartet – allein in Österreich sind rund 388.000 Dieselfahrzeuge betroffen. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien und gemeinsam mit anderen europäischen Mobilitätsclubs hat der ÖAMTC jeweils vor und nach der Umrüstung umfangreiche Tests an Autos von Mitgliedern durchgeführt. "Ziel der Untersuchungen war, herauszufinden, ob das Update tatsächlich funktioniert. Auch, ob den Konsumenten daraus Nachteile wie höherer Verbrauch oder verminderte Leistung entstehen, wurde überprüft. Denn daraus hätten einklagbare Ansprüche auf Gewährleistung, Schadenersatz oder Rückabwicklung erwachsen können", erklärt Bernhard Wiesinger, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Das Ergebnis: "Die neue Software funktioniert. Der NOx-Ausstoß, der Auslöser für den 'Abgasskandal' war, ändert sich durch das Update im für die Typengenehmigung maßgeblichen Prüfstands-Zyklus NEFZ nur geringfügig und liegt deutlich unter dem EU-Grenzwert", fasst der Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung zusammen. "Unter realistischeren Fahrzyklen wie dem neuen WLTC-Messverfahren und dem Autobahn-Zyklus BAB 130 gehen die NOx-Emissionen nach der Umrüstung zum Teil sogar stark zurück." Es wird übrigens noch weiter getestet:
Nach den nun überprüften 2,0-Liter-Dieselfahrzeugen folgen in den nächsten Monaten Autos mit 1,2- und 1,6-Liter-Motoren aus dem VW-Konzern.

Keine nachteiligen Auswirkungen auf Verbrauch, Leistung und Fahrverhalten

Für den Konsumenten sind im realen Fahrbetrieb Verbrauch, Leistung und Fahrverhalten die maßgeblichen Faktoren. "Auch hier kann der ÖAMTC Entwarnung geben. Durch die Umrüstung ändert sich keiner dieser Parameter", hält Wiesinger fest. Der Dieselverbrauch, der über den CO2-Ausstoß gemessen wird, nahm im NEFZ um maximal 2,5 Prozent zu – und das auch nur bei einem der getesteten Autos. Bei den anderen Fahrzeugen blieb der Verbrauch gleich oder ging sogar zurück. "Alle diese Werte liegen innerhalb der Messtoleranz", so Wiesinger. Vom ÖAMTC wurde außerdem ein Fahrtest mit einer mobilen Messeinheit durchgeführt – ebenfalls ohne signifikante Änderung durch das Update.

Auch in Bezug auf die Leistung gibt es keinen Anlass zur Sorge. "Unter Berücksichtigung der Messtoleranz ist die Leistung aller überprüften Fahrzeuge gleich geblieben", sagt Wiesinger. Gleiches gilt für die Beurteilung der Fahreigenschaften, die anhand der Beschleunigung, beispielsweise von 60 auf 100 km/h im 4. Gang, gemessen wurden.

Fazit – Testergebnisse liefern keinen Klagsgrund

Das Fazit des Chefs der ÖAMTC-Interessenvertretung: "Wer bereits die Aufforderung erhalten hat, sein Auto zum Umrüsten in die Werkstatt zu bringen, kann das ohne Bedenken tun." Die Abweichungen blieben bei allen durchgeführten Tests innerhalb der Messtoleranz oder verbesserten sich durch das Update teils deutlich. Von Schadenersatzklagen wegen höheren Verbrauchs bzw. geringerer Leistung ist nach derzeitigem Stand aus ÖAMTC-Sicht daher abzuraten.

Normverbrauch elf Prozent über Herstellerangaben

Unabhängig vom "Abgasskandal" wurde bei der Verbrauchsmessung einmal mehr eine Abweichung des Normverbrauchs festgestellt. Wiesinger: "Der Dieselverbrauch lag bei den getesteten Fahrzeugen durchschnittlich elf Prozent über den Herstellerangaben. Ein bekanntes Problem, das mit variablen Prüfstandsbedingungen zusammenhängt." Die Hersteller reizen die erlaubten Test-Toleranzen, etwa bei Temperatur und Reifendruck, bis an die Grenzen aus, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Der ÖAMTC testete bei den variablen Rahmenbedingungen hingegen mit Mittelwerten.

Die EU-Kommission hat bereits entschieden, dass ab 2017 realitätsnähere Messverfahren zum Einsatz kommen sollen. So werden ab nächstem Jahr auch RDE-Tests, wie vom ÖAMTC bei den VW-Fahrzeugen durchgeführt, Pflicht. "Der ÖAMTC und die FIA setzen sich seit Jahren dafür ein, dass die Verbrauchswerte bei der Typengenehmigung näher am Verbrauch auf der Straße liegen. Auch die Test-Toleranzen für die Hersteller gehören eingeengt", hält Wiesinger fest.

So wurde getestet – Testaufwand bis zu 30.000 Euro pro Fahrzeug

Der ÖAMTC hat die Tests in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik (IFA) der TU Wien durchgeführt. Schadstoffausstoß, Verbrauch und Leistung wurden auf dem Prüfstand untersucht. Auf der Straße kam dafür ein mobiles Labor zum Einsatz (RDE). Zusätzlich wurden Fahrdynamik-Messungen unternommen. "Der Aufwand für den Test liegt bei bis zu 30.000 Euro pro Fahrzeug", erklärt Wiesinger. "Darin sind beispielsweise Kaufüberprüfung, Fahrwerkskontrolle, Partikelfilterregeneration, Austauschen der Luftfilter, neue Reifen nach dem Test, das Betanken mit Testkraftstoff und der Einbau von Messgeräten enthalten."

Die Fahrzeuge mit einer Laufleistung zwischen 25.000 und 55.000 Kilometern wurden von ÖAMTC-Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Als erstes wurde der technische Zustand der Fahrzeuge eingehend geprüft. Dann erfolgten die ersten Tests auf Prüfstand und Straße. "Anschließend wurden die Autos von den Werkstätten umgerüstet, die natürlich nicht über den ÖAMTC-Test informiert waren", erläutert der Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. Unmittelbar nach der Umrüstung folgte der zweite Testlauf, wieder am Prüfstand und auf der Straße.

Vom ÖAMTC wurden zwei Audi A4 Avant 2.0 TDI getestet. Diese Autos haben Club-Mitglieder nach einem Aufruf des ÖAMTC zur Verfügung gestellt. Die Partnerclubs ADAC (Deutschland) und TCS (Schweiz) haben einen VW Golf 2.0 TDI BMT und einen weiteren Audi A4 Avant 2.0 TDI überprüft.

Alle Infos zu diesem Thema gibt es unter www.oeamtc.at/abgasmanipulation.

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